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    <nid>7938</nid>
    <title>Bewegungsfreiheit zwischen Syrien und Deutschland</title>
    <created>Tuesday, August 25, 2026 - 07:31</created>
    <location>Deutschland</location>
    <name>Domi</name>
    <path>https://disorient.de/magazin/utopie-bewegungsfreiheit-zwischen-syrien-und-deutschland</path>
    <body>Analysen zur Migrationspolitik gibt es viele – im Gegensatz zu Texten über eine Welt ohne Grenzen. Wir stellen uns vor, was Bewegungsfreiheit zwischen Deutschland und Syrien so brächte. Yalla, folgt uns in die Utopie.
Dieser Artikel ist Teil eines Dossiers zu Migration und Bewegungsfreiheit zwischen Syrien und Deutschland, das dis:orient in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung-Beirut veröffentlicht. Alle Beiträge erscheinen auf Deutsch und Englisch.
Read this article in English: Freedom of Movement Between Syria and Germany
Ruqaia ist Ärztin in Schwerin, 2016 kam sie aus Latakia nach Deutschland. An Ruqaias Arbeitsplatz, einer Klinik in Schwerin, herrscht Personalmangel und sie leidet unter dem enormen Arbeitspensum. Ihr Mann ist zwar ebenfalls Arzt, war aber länger als sie in Syrien. Um gemeinsam in Deutschland leben zu können, kämpfte er lange vergeblich um einen Termin bei der Botschaft. Doch dann traten neue Regeln in Kraft,  zwischen Syrien und Deutschland herrscht eine neu etablierte Bewegungsfreiheit. Ruqaias Mann kann problemlos einen Flug nach Deutschland buchen. Sein Plan ist, sich in Schwerin direkt bei der Klinik zu bewerben und sowohl die Kolleg:innen, als auch seine Frau zu entlasten.
Ruqaia ist erleichtert. Sie plant, in den nächsten Jahren Mutter zu werden und träumt von einem Familienleben zwischen Syrien und Deutschland. Es gibt ihr Kraft, zu wissen, dass ihre Mutter nach der Geburt des Kindes für einige Zeit in Deutschland bleiben könnte, um sie zu unterstützen. 
Einreisen ohne Angst
Eine Reise zwischen Deutschland und Syrien bedeutet seit der Neuregelung: einen Flug zu finden, zu buchen und zum Flughafen zu fahren. An der Grenze einzureisen ohne Angst vor Zurückweisung, ohne Befristung oder Sorgen um Sperrkonten für Visa.
Für einen Job umzuziehen ist kein Problem. In beide Richtungen entsteht zirkuläre Arbeitsmigration, begünstigt von der weggefallenen Bürokratie. Syrien benötigt händeringend Fachkräfte, um den Wiederaufbau anzukurbeln. Deutschland wiederum kann auf die syrischen Arbeiter:innen nicht verzichten. 
Um aus dieser Lage eine Win-win-Situation zu machen, werden bilaterale Programme etabliert. In Deutschland ausgebildete Fachkräfte bieten Schulungsprogramme in Syrien an, um die Erfahrung dort weiterzugeben. Zudem können in Syrien angestellte Kräfte Deutschland besuchen und professionelle Erfahrung sammeln, während sie in Syrien weiterhin angestellt sind.  
Die Agentur für Arbeit bearbeitet keine Arbeitszulassungs- und Qualifizierungsanträge mehr, sondern koordiniert Arbeitsmigration zwischen Deutschland und Syrien. Für Arbeitgeber:innen gibt es ein von der Bundesagentur für Arbeit gefördertes Portal, bei dem sich Arbeitssuchende aus Syrien und Deutschland registrieren können. 
Sowohl die Behörden als auch die Menschen atmen auf, denn die Bürokratie ist im Gegensatz zu früher kein Aufwand mehr. Ohne die verschiedenen Aufenthaltstitel mit all ihren Vorgaben zu Arbeit, Reisefreiheit und Wohnauflagen kann sich die Verwaltung auf das Wesentliche konzentrieren.
Umm Majid, eine Oma aus Raqqa
Umm Majid ist an Leukämie erkrankt. In Syrien wurde sie behandelt, doch dann stellte sich heraus, dass sie eine Knochenmarktransplantation benötigt. Ihre Familie in Deutschland fand eine mögliche Spenderin, doch erste Versuche, sie für die Behandlung nach Deutschland zu bringen, blieben erfolglos. 
Durch eine neue Kooperation des Mujtahed-Krankenhauses in Damaskus und der Charité in Berlin im Bereich der Krebsbehandlung konnte Umm Majid schließlich ohne Visum nach Deutschland reisen. Die Transplantation war erfolgreich und Umm Majid erholt sich in Berlin. Finanzielle Schwierigkeiten wegen der Behandlung hat die Familie nicht zu befürchten. Das Programm wird vom syrisch-deutschen Ärzteverband, der Charité und dem BMZ finanziert. 
Nicht nur die Patient:innen, sondern auch das medizinische Personal kann nun zwischen Syrien und Deutschland reisen. Im Rahmen der Krankenhauskooperation kommen Mediziner:innen nach Deutschland. Krebskranke in Syrien bekommen leichter eine angemessene Therapie und Deutschland profitiert vom jungen syrischen Personal. 
Viele syrische Mediziner:innen haben aufgrund der Kriegsjahre eine hohe Geschicklichkeit und wertvolles Wissen in der Notfallmedizin und im katastrophenmedizinischen Kontext. Im Rahmen des Programms vermitteln sie dies an deutsche Kolleg:innen.
Umm Majid und ihre Familie sind heute Teil eines Patientennetzwerkes, das sich für den Ausbau solcher Gesundheitskooperationen einsetzt. Den kostenlosen Zugang zu Gesundheitsversorgung für Menschen in Syrien und Deutschland wollen sie auch Menschen aus anderen Ländern ermöglichen.

Fabian, Autor und Lebensgefährte der syrischen Künstlerin Laila
Deutschland und Syrien sind besonders seit dem langen Sommer der Migration 2015 immer stärker verbunden. Syrer:innen sind Teil der deutschen Gesellschaft geworden, haben Familien gegründet, arbeiten und studieren. In vielen Familien sind Deutsch und Arabisch Erst- und Zweitsprache. Die syrische Kultur prägt deutsche Straßen: durch Restaurants, Kunstausstellungen oder ihre Namen auf Klingelschildern. 
Fabian ist in Ostfriesland aufgewachsen und schreibt gern über seine Heimat. Er weiß, dass er in seinen Texten die Nordsee romantisiert, die Felder und das Watt – eine Darstellung, die die Menschen aus seiner Region gerne lesen. Laila zeigt in ihren Werken eine andere Ästhetik: Mosaik, Olivenhaine, wärmere Farben. Seitdem er mit ihr zusammen ist, will er mehr über Syrien erfahren und seine Bildwelt mit der von Laila verbinden. Wie gerufen kam da ein Programm des Syrisch-Deutschen Dachverbands der Kulturinstitutionen. Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden verbrachte Fabian einige Monate an der Kunstakademie in Latakia. 
Aus den geknüpften Netzwerken lädt er immer wieder syrische Künstler:innen und Autor:innen nach Deutschland ein. Dank der Bewegungsfreiheit organisieren sie gemeinsam Lesungen und Ausstellungen in beiden Ländern, ohne bürokratische Verzögerungen oder Absagen aufgrund abgelehnter Visaanträge befürchten zu müssen. 
Annenmaykantereit in Damaskus
Für Syrer:innen in Syrien wird Deutschland aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen, finanziellen Verflechtungen, Entwicklungsprojekten und Austauschprogrammen immer mehr zum Bezugsland. Wer durch Damaskus oder Raqqa läuft, kann auf Deutsch grüßen und bekommt auf Deutsch die Antwort. Blogger:innen ziehen durch Syrien, berichten über die Lage, besuchen ihre Freund:innen, lernen neue Aspekte des Landes kennen und liefern auf TikTok oder Youtube Informationen an das deutsche Publikum.
Die neu geschaffene Bewegungsfreiheit hilft auch in Frage der Interkulturalität. Eine syrisch-deutsche Identität ist viel leichter zu leben, die Selbstfindung und Identitätsentwicklung ist keine Entscheidung zwischen zwei auseinanderstrebenden Wegen, sondern kann sich fluide zwischen (Sub-)Kulturen bewegen. Lina Shamamian singt für Berlin und Annenmaykantereit-Platten gewinnen in Damaskus an Beliebtheit. 
Wael, Schüler in Freiburg
Aufgewachsen in Deutschland, ohne je in Syrien gewesen zu sein, ist Wael gleichermaßen deutsch- und arabischsprachig. In der neunten Klasse entscheidet er sich für ein Austauschjahr in Syrien. Engagierte Lehrer:innen seiner Schule sind dabei, einen Austausch mit einer Schule in Masyaf aufzubauen. Dort gibt es seit längerer Zeit bereits Deutschunterricht. Durch die Bewegungsfreiheit ermöglicht, sollen jährlich zehn Schüler:innen auf die Reise gehen. 
Auch Waels beste Freundin Anne kommt mit. Ihre Begeisterung für die arabische Sprache wurde bei Waels Familie am Esstisch geweckt. Jetzt will sie richtig Arabisch lernen. Die Koffer werden gepackt, die Schule organisiert die Reiseplanung und die administrativen Schritte. Viel ist es nicht, denn Wael und Anne müssen außer ihren Ausweisen keine Papiere dabeihaben oder beantragen. 
Manche Fächer belegen die beiden gemeinsam auf Deutsch, Anne besucht einen vom syrischen Bildungsministerium geförderten Arabischunterricht und Wael hat weitere Schulfächer auf Arabisch. Während ihres Austauschjahres bekommen sie Besuch von Freund:innen aus Deutschland. Gemeinsam machen sie eine Rundreise durch Syrien. Ihr Gefühl der Verbundenheit mit Land und Leuten wächst. Gegenseitige Vorurteile wandeln sich mit der Zeit zu einem tieferen Verständnis der jeweiligen Kontexte.
Die politische Debatte in Deutschland entspannt sich
Ausgehend von der Freizügigkeit zwischen Deutschland und Syrien können selbst rechts- oder konservativ orientierte Politiker:innen nun nicht mehr über Abschiebungen und die Beschneidung von Rechten punkten. Migration als zu kontrollierendes Problem hat als politisches Leitmotiv ausgedient. 
Migration aus und nach Syrien ist kein politischer Spielball mehr, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil des deutsch-syrischen Lebens. Populismus und Rassismus in Deutschland verlieren an Rückenwind und Befragungen zu dem Thema durch die Medien oder Landesämter für Statistik verlieren an Relevanz. 
Lisa, Politikwissenschaftlerin in Berlin
Für den Wiederaufbau engagieren sich in Syrien viele Bürger:innen. Lisa hatte sich während ihres Studiums an der HU Berlin auf soziale Bewegungen und Staatstransformation spezialisiert. Nach dem Sturz des Assad-Regimes wollte sie ihr Wissen weitergeben und organisierte im Jahr darauf eine Sommerschule für junge Syrer:innen in Berlin, finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem syrischen Ministerium für Arbeit und Soziales. 
In den folgenden Jahren waren die Plätze schnell ausgebucht; die Bewerber:innen mussten keine Visaverfahren durchlaufen und konnten nach der Zusage direkt einreisen. Lisa entschied daraufhin, das Projekt auszuweiten und in Kooperation mit der Universität Aleppo eine Zweigstelle in Syrien zu eröffnen. 
Das Programm wird zu einer wichtigen Säule des politischen Wiederaufbauprozesses Syriens. Es erhält Preise und schließlich eröffnet die HU ein Institut, das sich auf die interdisziplinäre Untersuchung von Wiederaufbauprozessen spezialisiert. Dabei spielen neben dem syrischen sowohl die historisch-deutsche Erfahrung als auch andere internationale Beispiele eine Rolle.
Gemeinsam erinnern, gemeinsam gegen Autoritarismus
Seit Syrien sich 2024 von der langjährigen brutalen Diktatur befreit hat, vernetzen sich zivilgesellschaftliche Initiativen in Syrien und Deutschland auf vielen Ebenen. Löhne in der deutschen Pflege werden nun auch von syrischer Seite mitverhandelt. Es geht um faire Bezahlung und die Flexibilität der Arbeitnehmer:innen, immer wieder zwischen Deutschland und Syrien zu wählen.
Im Bereich der Erinnerungskultur gab es schnell Pionierprojekte wie eine Ausstellung zum syrischen Sednaja-Gefängnis im ehemaligen Stasigefängnis Hohnschönhausen. Dort war die Rolle von Gefängnissen in Unrechtsstaaten ein zentrales Thema, ebenso die Verbindung zwischen ehemaligen NS-Eliten und später der DDR und den autoritären Strukturen in Syrien. Heute entwickelt ein Netzwerk aus Vereinen, Organisationen, staatlichen Einrichtungen und Universitäten Konzepte für die Aufarbeitung der Verbrechen. 
Bewegungsfreiheit allein reicht nicht aus, um den Aufbau demokratischer Strukturen und einer Erinnerungskultur zu ermöglichen. Sie erleichtert jedoch den persönlichen Austausch auf Augenhöhe sowie die gemeinsame Arbeit für die gesellschaftliche Utopie. 
 
 
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    <title>Freedom of Movement Between Syria and Germany</title>
    <created>Tuesday, August 25, 2026 - 07:31</created>
    <location>Deutschland</location>
    <name>Domi</name>
    <path>https://disorient.de/magazin/freedom-movement-between-syria-and-germany</path>
    <body>There are many analyses of migration policy, but very few texts about a possible world without borders. We imagine what freedom of movement between Germany and Syria might look like. Yalla, follow us into this utopia.
This article is part of a dossier on migration and freedom of movement between Syria and Germany, published by dis:orient in cooperation with the Rosa Luxemburg Foundation Beirut. All articles are published in German and English.
Ruqaia is a doctor who came to Germany from Latakia in 2016. She now lives in Schwerin in Germany. The clinic where she works is understaffed and she is overwhelmed by the enormous workload. Her husband is also a doctor, but he still lives in Syria. In order for them to live together in Germany, he fought to get an appointment at the embassy. But then new rules came into effect, establishing freedom of movement between Syria and Germany. Ruqaia’s husband is able to book a flight to Germany without a visa. Once he arrives, he plans to apply directly to work with his wife to help ease the burden on both her and the clinic.
Ruqaia is relieved. She plans to become a mother in the next few years and dreams of a family life that spans her two homelands: Syria and Germany. It gives her a lot of strength to know that her mother could come to Germany for a while after the baby is born to support her.
Traveling Without Fear
Since the new regulations took effect, traveling between Germany and Syria means simply finding and booking a flight, driving to the airport and crossing the border without fear of being turned away, without time limits or worries about German visa requirements like frozen bank accounts.
Moving for work is no problem. Circular labour migration takes placein both directions, made easier by the removal of bureaucratic barriers. Syria desperately needs skilled workers to jumpstart postwar reconstruction. Germany, in turn, cannot manage without Syrian workers.
To turn this situation into a win-win, bilateral programs are being established. Skilled workers trained in Germany offer training programs in Syria to pass on their expertise. In addition, workers employed in Syria can visit Germany and gain professional experience while remaining employed in their homeland.
The Federal Employment Agency no longer handles applications for work permits and qualifications, but instead coordinates labour migration between Germany and Syria. Job seekers from Syria and Germany can register at a portal for employers funded by the Agency.
Both the authorities and the people breathe a sigh of relief, because bureaucracy, unlike before, is no longer a burden. Without the various residence permits, with all their requirements regarding work, freedom of travel and residency conditions, the administration can focus on what really matters.
Umm Majid, a grandmother from Raqqa
Umm Majid has leukemia. She received treatment in Syria, but with time it became clear that she needed a bone marrow transplant. Her family in Germany found a potential donor, but initial attempts to bring her to Germany for treatment were unsuccessful.
Thanks to a new partnership between Mujtahed Hospital in Damascus and Charité in Berlin in the field of cancer treatment, Umm Majid was finally able to travel to Germany without a visa. The transplant was successful and Umm Majid is recovering in Berlin. The family does not have to worry about financial difficulties due to the treatment. The program is funded by the Syrian-German Medical Association, Charité, and the Federal Ministry for Economic Cooperation and Development.
Not only patients but also medical staff can now travel freely between Syria and Germany. Medical professionals are coming to Germany as part of hospital partnerships. Cancer patients in Syria have easier access to appropriate treatment, and Germany benefits from the young Syrian medical staff.
Due to their years of experience during the war, many Syrian medical professionals have developed a high level of skill and valuable knowledge in emergency medicine and disaster medicine. As part of the program, they share this expertise with their German colleagues.
Umm Majid and her family are now part of a patient network that advocates for the expansion of such healthcare partnerships. They want to make free access to healthcare available to people in Syria and Germany, as well as to people from other countries.

Fabian, author and partner of Syrian artist Laila
Germany and Syria have become increasingly connected, especially since the “long summer of migration” in 2015. Syrians have become part of German society. They have started families, and they work or study in Germany. In many families, German and Arabic are the first and second languages. Syrian culture shapes German streets through restaurants, art exhibitions, or the names on doorbell plates.
Fabian grew up in East Frisia and enjoys writing about his homeland. He knows that in his writing he romanticises the North Sea, the fields and the wetlands, a portrayal that people from his region enjoy reading. Laila presents a different aesthetic in her works: mosaics, olive groves, warmer colors. Ever since they started a relationship, he has wanted to learn more about Syria and blend his visual world with Laila’s. A program offered by the Syrian-German Umbrella Organisation of Cultural Institutions came at just the right time. Together with other cultural professionals, Fabian spent several months at the art academy in Latakia.
Through the networks he has built, he regularly invites Syrian artists and authors to Germany. Thanks to their freedom of movement, they organise readings and exhibitions together in both countries without having to worry about bureaucratic delays or cancellations due to rejected visa applications.
Annenmaykantereit in Damascus
For Syrians living in Syria, Germany is increasingly becoming a point of reference due to family ties, financial connections, development projects and exchange programs. If you walk through Damascus or Raqqa, you can greet people in German and receive a reply in German. Bloggers travel through Syria, report on the situation, visit their friends, discover new aspects of the country and share information with a German audience on TikTok or YouTube.
This newly gained freedom of movement is directly linked to interculturality. A Syrian-German multi-identity is much easier to live with; finding oneself and developing an identity does not mean a choice between diverging paths. People can move fluidly between (sub)cultures. Lina Shamamian sings for the people of Berlin and Annenmaykantereit albums are gaining popularity in Damascus.
Wael, a student in Freiburg
Having grown up in Germany without ever having been to Syria, Wael is equally fluent in German and Arabic. In ninth grade, he wants to spend a year as an exchange student in Syria. Dedicated teachers at his school are in the process of establishing an exchange program with a school in Masyaf, where German classes have been offered for quite some time. Thanks to the freedom of movement now in place, ten students are expected to make the trip each year.
Wael’s best friend, Anne, is coming along too. Her enthusiasm for the Arabic language was sparked at Wael’s family’s dinner table. Now she wants to learn Arabic properly. The suitcases are packed. The school is handling the travel arrangements and administrative steps. There isn’t much to do, since Wael and Anne do not need to apply for any documents or carry anything other than their IDs.
The two take some classes together in German: Anne attends Arabic classes sponsored by the Syrian Ministry of Education and Wael takes other school subjects in Arabic. During their exchange year, their friends visit them from Germany. Together, they take a tour of Syria. Their sense of connection to the country and its people grows. Over time, mutual prejudices give way to a deeper understanding of each other’s contexts.
The political debate in Germany is easing
Given the freedom of movement between Germany and Syria, even right-wing or conservative politicians can no longer score political points by talking about deportations and curtailing rights. Migration is no longer a problem to be controlled. It has had its day as a political leitmotif.
Migration to and from Syria is no longer a political football match, but rather a natural part of German-Syrian life. Populism and racism in Germany are losing momentum, and surveys on the topic conducted by the media or the state are losing their relevance.
Lisa, a political scientist in Berlin
Many citizens in Syria are committed to the country’s reconstruction. During her studies at HU Berlin, Lisa specialised in social movements and state transformation. After the fall of the Assad regime, she wanted to pass on her knowledge. The following year, she organised a summer school for young Syrians in Berlin, funded by the Federal Ministry for Economic Cooperation and Development as well as the Syrian Ministry of Labor and Social Affairs.
In the years that followed, the program filled up quickly; applicants did not have to go through visa procedures and could enter the country immediately upon acceptance. Lisa then decided to expand the project and open a branch in Syria in cooperation with the University of Aleppo.
The program became a key pillar of Syria’s political reconstruction process. It received awards, and eventually the HU established an institute specialising in the interdisciplinary study of reconstruction processes. Both Germany’s historical experience and current international examples play a role.
Remembering Together, Standing Together Against Authoritarianism
Since Syria freed itself from its long-standing brutal dictatorship in 2024, civil society initiatives in Syria and Germany have been collaborating on many levels. Wages in the German care sector are now also being negotiated with input from the Syrian side. The focus is on fair pay and the flexibility for employees to choose to move between Germany and Syria as and when they wish.
In the realm of remembrance culture, pioneering projects quickly emerged, such as an exhibition on the Syrian Sednaya Prison held at the former Stasi prison in Hohnschönhausen. There, the role of prisons in authoritarian states was a central theme, as well as the connection between former Nazi elites, and later, the German Democratic Republic (East Germany) and the authoritarian structures in Syria. Today, a network of associations, organisations, government institutions, and universities is developing concepts for coming to terms with the crimes committed by these regimes.
Freedom of movement alone isn't enough to build democratic structures and a culture of remembrance. But it does make room for genuine, equal exchange between people, and for working together toward a shared social utopia.
 
 
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    <title>Das Ende des „Migrationsmanagements“? </title>
    <created>Wednesday, August 19, 2026 - 09:46</created>
    <location>Deutschland</location>
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    <path>https://disorient.de/magazin/das-ende-des-migrationsmanagements</path>
    <body>Im Umgang mit Migration in Deutschland gewinnt die rassistische Abschottung an Bedeutung – selbst dort, wo Unternehmen migrantische Arbeitskräfte brauchen. Eine Analyse der Verschiebung und ein Ausblick auf Ansätze für die politische Linke.
Dieser Artikel ist Teil eines Dossiers zu Migration und Bewegungsfreiheit zwischen Syrien und Deutschland, das dis:orient in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung-Beirut veröffentlicht. Alle Beiträge erscheinen auf Deutsch und Englisch.
Read this article in English: The End of "Migration Management"?
Am 30. März 2026 kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz während des Staatsbesuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa an, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer:innen nach Syrien zurückkehren sollten. Die AfD applaudierte Merz. Sie verstand seine Äußerung als Einschwenken auf ihre Politik der „Remigration“ und forderte, praktisch alle Syrer:innen aus Deutschland auszuweisen.
Progressive Stimmen kritisierten Merz mit Verweis auf die gute Integration von Syrer:innen sowie auf die ökonomisch desolate Situation und die gefährliche Sicherheitslage in Syrien, insbesondere für religiöse Minderheiten. Zugleich wurden besonders syrische Pfleger:innen, Ärzt:innen und Apotheker:innen als nützliche Arbeitskräfte verteidigt. Massive Abschiebungen seien weder im wirtschaftlichen noch im demografischen Interesse Deutschlands.
An Merz’ Aussage und den Reaktionen zeigt sich ein grundlegender Konflikt: Auf der einen Seite steht ein rassistisches und nationalistisches politisches Projekt, das die Anwesenheit von als „fremd“ konstruierten Menschen in Deutschland durch massive Abschiebungen und um jeden ökonomischen Preis drastisch reduzieren will. Ihm gegenüber steht eine instabile Allianz progressiver und neoliberaler Kräfte, die von Menschenrechten sprechen, aber dabei (auch) den Nutzen und den Mehrwert der Syrer:innen für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft im Fokus haben: Syrer:innen als Lösung für Fachkräftemangel, Überalterung und unsichere Renten.
Die Herausbildung des progressiv-neoliberalen Migrationsmanagements
Der Streit um Merz’ Aussage verweist auf ein Spannungsverhältnis, das die deutsche Migrationspolitik historisch durchzieht: den Konflikt zwischen nationalistischer Abschottung und dem Interesse an einer flexiblen „industriellen Reservearmee“. Er zeigt sich bereits in den Auseinandersetzungen um Einwanderung und Niederlassung polnischer Arbeiter:innen – den sogenannten Ruhrpolen – im Ruhrgebiet vor dem Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit, setzt sich in den sogenannten Gastarbeiter- und Vertragsarbeiterregimen der Nachkriegszeit fort und prägt bis heute die Kontroversen um Fluchtmigration. Immer wieder zeigt sich ein struktureller Widerspruch, der in stets neuer Gestalt auftritt: ein Gegensatz zwischen den Versuchen, die Mobilität und die Immobilität arbeitender Menschen zum wirtschaftlichen Vorteil flexibel zu kontrollieren und zu regulieren, und dem ebenso dauerhaften Muster, politische Stabilität im „Inland“ durch rassistisch legitimierte Abschottung und Ausgrenzung abzusichern.
In der Hochphase der neoliberalen Globalisierung in den 1990er-Jahren bildete sich im Umgang mit diesem Grundwiderspruch ein neues politisches Projekt heraus, das unter dem Etikett des „Migrationsmanagements“ bekannt ist: Gerahmt von einer Rhetorik der Nützlichkeit und teils ergänzt um Verweise auf Menschenrechte und Diversität, sollen eigensinnige Bewegungen der Flucht und Migration begrenzt und kontrolliert werden, sodass die flexible Einwanderung nützlicher Arbeitskräfte vom migrationsskeptischen Teil der Bevölkerung akzeptiert wird. Das Migrationsmanagement kombiniert somit die gezielte Anwerbung und „Integration“ von Migrant:innen für den Arbeitsmarkt mit einem restriktiven, aber doch existierenden Asylsystem und einer repressiven Politik von Abschottung, Illegalisierung und Abschiebungen.
Seit dem langen Sommer der Migration 2015 mobilisieren rechte Kräfte zunehmend erfolgreich gegen das neoliberale Migrationsmanagement. Ähnlich wie die Regierung Trump in den USA fordern sie Massenausweisungen. Der Vorstoß von Merz zur Rückkehr von 80 Prozent der Syrer:innen zeigt, dass die Aushandlung des Widerspruchs zwischen Anwerben und Abschieben zugunsten eines national-chauvinistischen Projekts kippen könnte, welches die Priorität auf Rassismus setzt und bereit ist, die ökonomischen und demographischen Konsequenzen zu akzeptieren. Sollte sich dieses Projekt durchsetzen, wäre dies das Ende des neoliberalen Migrationsmanagements.
Konflikte zwischen Reproduktion und Stabilisierung
Innerhalb dieses grundlegenden Richtungsstreits spitzen sich migrationspolitische Konflikte auf mehreren Ebenen zu. Es lassen sich vier verflochtene und sich überlappende Ebenen unterscheiden.
Zunächst stehen sich in Konflikten um Mobilität zwei Positionen gegenüber. Auf der einen Seite steht der ökonomische Mehrwert: Wenn etwa Industriebetriebe in Branchen mit Fachkräftemangel mit der Produktion nicht hinterherkommen, füllt das flexible Anwerben migrantischer Facharbeiter:innen die Lücke und sichert Wettbewerbsfähigkeit und Gewinne. Auf der anderen Seite werden durch den symbolischen und materiellen Ausschluss von Migrant:innen soziale Konflikte politisch stabilisiert. Gerade in Krisenzeiten lenkt der Fokus auf Migrant:innen die Frustration über zunehmenden Druck am Arbeitsplatz und unsichere Renten weg von ernsthaften Bemühungen um eine sozial-ökologische Transformation. Doch soziale Konflikte, etwa um Wohnraum, Arbeit oder Rente, werden nicht nur durch die AfD in Fragen der Migration umgedeutet.
Auch abseits der extremen Rechten sind Angriffe auf die offene Migrationsgesellschaft produktiv für die politische Stabilisierung. Wenn der ehemalige Kanzler Scholz beispielsweise ankündigt, „endlich im großen Stil abschieben“ zu wollen, nutzt er den Ausschluss von Migrant:innen, um Zustimmung für seine Politik zu schaffen. Für Unternehmen, die auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind, schafft eine solche Politik allerdings Probleme. Deswegen warnen Teile der Industrie vor Rassismus als Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland. In dieser ersten Ebene stehen sich also die potenzielle Stabilisierung der politischen Verhältnisse durch rassistische Politik einerseits und die Absicherung der Produktion durch das Anwerben und Halten von migrantischen Arbeiter:innen gegenüber.
Auf der zweiten Ebene des Konflikts steht die politische Stabilisierung durch rassistische Ausschlüsse in einem Spannungsverhältnis mit der sozialen Reproduktion der Gesellschaft. Migrant:innen spielen in der alternden Gesellschaft, inklusive eines unsicheren Renten- und Sozialsystems, eine zentrale Rolle für die soziale Reproduktion. Die vergangenen Monate waren geprägt von Debatten, in denen zahlreiche Stimmen wegen sinkender Geburtenraten in Deutschland Alarm schlugen. Diese sehen die Finanzierbarkeit von Sozialsystemen und die mittel- und langfristige Zukunft der Wirtschaft gefährdet. Zudem halten viele syrische Arbeiter:innen im Gesundheitsbereich bereits heute die Versorgung von Kranken und pflegebedürftigen Menschen am Laufen und zahlen Beiträge in die Rentenkasse und das Sozialversicherungssystem ein. Damit steht das politische Projekt einer rassistischen Massenausweisung auch im Spannungsverhältnis zur sozialen Reproduktion.
Drittens sind sowohl die Arbeiter:innenschaft als auch die Kapitalfraktionen intern zunehmend im Konflikt miteinander. Durch den Fokus auf syrische Fachkräfte geht häufig verloren, dass es die Syrer:innen nicht gibt, sondern Syrer insbesondere in den Branchen Verkehr und Logistik, Lebensmittel- und Gastgewerbe, Gesundheitswesen und Baugewerbe arbeiten, während Syrerinnen häufig in sozialen und kulturellen Bereichen tätig sind.
Zwar gibt es im Vergleich zu anderen Herkunftsländern überdurchschnittlich viele höherqualifizierte Arbeiter:innen, dennoch sind auch Arbeitslose und niedrigqualifizierte Syrer:innen Teil der Realität. Damit ist die Stellung von Syrer:innen auf dem Arbeitsmarkt äußerst unterschiedlich. Wenn diese verschiedenen Positionen durch eine Rhetorik zwischen „guten“ und „schlechten“ Migrant:innen politisiert werden, kann das zu Spaltungen und Konflikten untereinander führen.
Auch die Kapitalseite tritt nicht als Einheit auf, beispielsweise in ihren Anforderungen an migrantische Arbeit. Mittelständische Unternehmen, die für den Export produzieren, sind stärker auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen, während Plattformunternehmen wie in der Essensauslieferung oder in der Logistik stärker auf prekarisierte Arbeitskräfte setzen. Drohende Massenabschiebungen können dabei Teile der spezialisierten Produktion gefährden, während diese Drohung für andere Betriebe eine Masse an leicht ausbeutbaren und teils illegalisierten Arbeiter:innen schafft. Konflikte zwischen Branchenverbänden, etwa um den Umgang mit der AfD, sind Ausdruck dieser Heterogenität und gleichzeitig Gradmesser für Konfliktlinien und Kräfteverhältnisse innerhalb der Kapitalseite.
Zusammenspiel unterschiedlicher Strategien im deutschen Arbeitsregime
Um die vierte Ebene zu erklären, müssen Kontroversen über die Forderung nach einer Rückkehr nach Syrien sowie den wirtschaftlichen und demografischen Nutzen in den Kontext des deutschen Arbeitsregimes und seiner unterschiedlichen Strategien gesehen werden.
Dem Staat und den Unternehmen stehen unterschiedliche Strategien zur Verfügung, um auf einen Mangel an günstigen oder passend qualifizierten Arbeitskräften zu reagieren. Merz’ Ankündigung, dass 80 Prozent der Syrer:innen zurückkehren sollen, lässt sich in diesem Sinne auch als Einschüchterungsversuch verstehen. Denn die Sorge vor Abschiebungen und einem prekären Aufenthaltsstatus treibt Menschen dazu, schlecht bezahlte und prekäre Arbeitsbedingungen eher zu akzeptieren.
Insofern stehen die aktuellen ‚arbeitspolitischen‘ Vorhaben der Bundesregierung, zum Beispiel längere Tages- und Wochenarbeitszeiten, eine generelle Attestpflicht bei Krankheit sowie fortschreitende Automatisierung in Verbindung zur strategischen Verwertung von Syrer:innen als Arbeitskraftressource. Ziel dieser unterschiedlichen Strategien ist es, Kosten zu senken und die Produktivität zu steigern, um der momentanen Schwäche der deutschen und europäischen Ökonomie auf dem Weltmarkt zu begegnen.
Sollte das national-chauvinistische Projekt der Abschottung weiter an Bedeutung gewinnen, könnten arbeitsmarktpolitische Strategien wie die Anwerbung von Fachkräften oder die Integration von Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt in den Hintergrund rücken. Um dennoch die Profitrate zu verbessern, bleibt Politik und Arbeitgeber:innen dann in bestimmten Sektoren vermehrt die stärkere Disziplinierung und Ausbeutung der Arbeiter:innen, die bereits vor Ort sind.
Polarisierung nach dem möglichen Ende des Migrationsmanagements
In den vergangenen Jahren hat die Mobilisierung gegen Migrant:innen die Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von Arbeiter:innen vorangetrieben. Mittlerweile genießt die AfD unter Arbeiter:innen und Gewerkschafter:innen eine breite Unterstützung, oft entgegen deren materiellen Interessen. Das Bündnis von marktliberalen bis linksliberalen Kräften verliert laufend an Zustimmung. Parallel dazu gibt es eine zunehmende Mobilisierung von links gegen diese Spaltung. Damit könnte sich der Konflikt um Migrationspolitik weiter verschärfen.
Die aktuelle Regierungspolitik greift neben dem Recht auf Bewegungsfreiheit auch viele Errungenschaften der Arbeiter:innenbewegung an. Beides erhöht den Druck auf Arbeiter:innen. In diesem doppelten Angriff liegt jedoch auch ein gemeinsames Mobilisierungspotential. Entlang der sich zuspitzenden Widersprüche könnte sich eine übergreifende Bewegung gegen Ausbeutung formieren. Initiativen wie Unteilbar und der Wiederaufschwung der Partei Die Linke deuten auf das Potenzial einer verbindenden linken Politik hin.
Für linke Kräfte stellt sich also die Frage, wie innerhalb der skizzierten Widersprüche erfolgreich mobilisiert werden kann. Die dominante Reaktion auf Merz’ Ankündigung betont die Nützlichkeit syrischer Fachkräfte. Eine linke Antwort sollte es nicht dabei belassen, den realen Rassismus hinter Merz’ Aussagen offen zu legen. Zusätzlich muss sie eine Kritik formulieren, die sich gegen die Nützlichkeitslogik stellt und Strategien sowohl gegen autoritär-neoliberale als auch faschistische Umgangsweisen mit der gegenwärtigen Krise stellt.
Teil einer solchen Strategie könnte eine Politik der Bewegungsfreiheit sein. Sie versteht Migration als grundlegendes Recht und fordert die Abschaffung von Grenzen. Damit einher geht die Forderung nach gleichen Rechten für alle, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Im Zentrum steht ein gemeinsamer Kampf gegen Ausbeutung, der sich nicht durch nationale Logiken spalten lässt. Statt die Überreste eines progressiv-neoliberalen Migrationsmanagements mit Verweis auf die humanitäre Lage oder den Mehrwert migrantischer Arbeitskraft für die nationale Wirtschaft zu verteidigen, könnte gerade jetzt der Moment für eine offensive Haltung sein: für solidarische und sozial-ökologisch transformatorische Migrationspolitiken, die sich weder von Nutzenkalkülen noch von nationalen Logiken verführen lassen, sondern die Prinzipien einer emanzipatorischen Bewegungsfreiheit zum Maßstab des eigenen Handelns erklären.
 
 
 
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    <nid>7934</nid>
    <title>The End of &quot;Migration Management&quot;?</title>
    <created>Wednesday, August 19, 2026 - 00:13</created>
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    <path>https://disorient.de/magazin/end-migration-management</path>
    <body>The racist deterrence of migration is becoming increasingly central to German border policy – even as businesses depend on migrant workers. What lies behind this shift, and how can the left respond?
This article is part of a dossier on migration and freedom of movement between Syria and Germany, published by dis:orient in cooperation with the Rosa Luxemburg Foundation Beirut. All articles are published in German and English.
On 30 March 2026, during the first state visit of Syria's transitional president, Ahmed al-Sharaa, German Chancellor Friedrich Merz declared that 80 percent of Syrians living in Germany should return to Syria. The right-wing AfD party welcomed the statement, interpreting it as a move toward its own agenda of "remigration", and demanded the deportation of virtually all Syrians in Germany.
Progressive voices criticised Merz by pointing to the successful integration of many Syrians, as well as Syria's devastated economy and ongoing security risks, particularly for religious minorities. At the same time, many defended Syrian nurses, doctors and pharmacists as indispensable workers. Large-scale deportations, they argued, would be against Germany's economic and demographic interests.
Merz's remarks and the reactions to them reveal a deeper political conflict. On one side is a racist and nationalist project that seeks to drastically reduce the presence of people constructed as "foreign" in Germany through mass deportations, regardless of the economic costs. On the other side stands an unstable alliance of progressive and neoliberal forces. While they speak the language of human rights, they also emphasise the value Syrians bring to the German economy and society: as a solution to labour shortages, an aging population and an increasingly fragile pension system.
The Rise of Progressive-Neoliberal Migration Management
The debate over Merz's statement reveals a tension that has shaped German migration policy throughout its history: the conflict between nationalist exclusion and the demand for a flexible industrial reserve army of labour. This tension can be traced back to the debates surrounding the immigration and settlement of Polish workers – the so-called Ruhrpolen – in Germany's Ruhr region before the First World War and during the interwar period. It continued through the so-called guest worker and contract worker programs after 1945 and still shapes contemporary conflicts over refugee migration.
Across these different periods, the same structural contradiction emerges in new forms: the tension between efforts to flexibly regulate both the mobility and immobility of working people in the interest of economic accumulation, and the equally persistent attempt to secure political stability at home through racist exclusion and border controls.
At the height of neoliberal globalisation in the 1990s, a new political project emerged to manage this contradiction: migration management. Framed by a rhetoric of economic usefulness and, in part, complemented by references to human rights and diversity, migration management seeks to contain and control autonomous movements of migration and displacement as a means of securing acceptance for the flexible admission of economically useful workers among migration-sceptical sections of the population. In practice, it combines the targeted recruitment and labour market integration of migrant workers with a restrictive – though still existing – asylum system, alongside policies of border enforcement, illegalisation and deportation.
Since the long summer of migration in 2015, however, right-wing forces have become increasingly successful in mobilising against neoliberal migration management. Much like the Trump administration in the United States, they have called for mass deportations. Merz's proposal that 80 percent of Syrians should return to Syria suggests that the way the contradiction between recruiting and deporting migrants is managed may be shifting in favour of a nationalist-chauvinist project. This project puts racism first and is willing to accept the resulting economic and demographic costs. If it prevails, it would mark the end of neoliberal migration management.
Conflicts Between Reproduction and Political Stabilisation
Within this broader struggle over the direction of migration policy, conflicts unfold on several interconnected levels. We can distinguish four overlapping dimensions.
The first concerns two competing approaches to mobility. On one side is the economic value of migration. When industries facing labour shortages struggle to maintain production, the flexible recruitment of migrant workers helps fill the gap, safeguarding competitiveness and profits. On the other side is the symbolic and material exclusion of migrants, which serves to stabilise political rule. Especially in times of crisis, directing public frustration towards migrants shifts attention away from the growing pressures people face at work, insecure pensions and the need for a genuine social and ecological transformation. Yet it is not only the far right that reframes social conflicts over housing, employment or pensions as questions of migration.
Beyond the far right, attacks on a society open to and shaped by migration have become a useful tool for political stabilisation. When former Chancellor Olaf Scholz, for example, announced that Germany should finally deport people on a large scale, he used the exclusion of migrants as an attempt to build support for his government's agenda. For businesses that depend on workers from abroad, however, this creates significant problems.
That is why parts of German industry increasingly warn that racism poses a threat to Germany as a location of production and investment. At this first level, then, two competing logics confront one another: the political stabilisation that racist policies may provide, and the need to sustain production by recruiting and retaining migrant workers.
The second level of conflict concerns the relationship between racist exclusion and social reproduction. In an aging society with an increasingly fragile pension and welfare system, migrants play a vital role in sustaining social reproduction. In recent months, there have been repeated warnings about Germany's declining birth rate, with many arguing that it threatens the long-term viability of both the welfare state and the economy.
At the same time, Syrian workers are already indispensable in the healthcare sector, caring for patients and older people while contributing to the pension system through their taxes and social security payments. The political project of mass deportations therefore stands in tension with social reproduction.
A third dimension is that conflicts are increasingly emerging both within the working class and between different fractions of capital. Public debate often focuses on highly skilled Syrian workers, obscuring the fact that there is no single, homogeneous group of "Syrians". Syrian men are concentrated in sectors such as transport and logistics, food services, healthcare and construction, while Syrian women are more likely to work in social and cultural occupations.
Although Syrians are, on average, more highly qualified than migrants from many other countries of origin, they also include unemployed people and workers in low-paid, low-skilled jobs. Their position in the labour market is therefore highly uneven. When these different positions are politicised through a distinction between "good" and "bad" migrants, they can deepen divisions and generate conflict among migrants themselves.
Nor does capital articulate a coherent demand when it comes to migrant labor. Export-oriented manufacturing firms, particularly medium-sized companies, depend heavily on highly qualified workers, whereas platform companies in sectors such as food delivery and logistics rely much more on precarious labour. The threat of mass deportations may endanger forms of specialised production, while at the same time creating a larger pool of vulnerable, easily exploitable – and in some cases illegalised – workers for other employers. Conflicts between business associations, for example over how to respond to the AfD, reflect this diversity of interests and reveal the underlying conflicts and distribution of power within capital itself.
Different Strategies Within Germany's Labour Regime
To understand the fourth dimension of these conflicts, the debate over returning Syrians to Syria – and the emphasis on their economic and demographic value – must be situated within the broader context of Germany's labour regime and the different strategies it employs.
Both the state and companies have a range of strategies for responding to shortages of low-cost or appropriately qualified labor. From this perspective, Merz's proposal that 80 percent of Syrians should return can also be understood as an attempt at intimidation. The constant threat of deportation and insecure residency pushes people to accept low wages and precarious working conditions that they might otherwise resist.
In this light, the current government's labour strategies – including longer daily and weekly working hours, mandatory medical certificates for sick leave and the continued expansion of automation – are closely connected to the strategic use of Syrian workers as a labour resource. Despite their differences, these strategies pursue the same objective: reducing costs and increasing productivity in response to the current weakness of the German and European economies on the global market.
If the nationalist-chauvinist project of border closure continues to gain ground, labour market strategies such as recruiting skilled workers or integrating asylum seekers into the labour market may become less important. In that case, improving profitability would increasingly depend in particular sectors on intensifying the discipline and exploitation of the workers who are already in the country.
Polarisation After the Possible End of Migration Management
In recent years, political mobilisation against migrants has deepened divisions between workers. The AfD now enjoys broad support among workers and trade union members, often despite the party's opposition to their material interests. At the same time, the alliance ranging from market liberals to progressive liberals has steadily lost support. In parallel, left-wing mobilisation against these divisions has grown stronger. As a result, conflicts over migration policy might intensify.
The current government's agenda attacks not only the right to freedom of movement but also many of the historic achievements of the labour movement. Both developments increase the pressure on workers. Yet this double attack also creates the potential for a shared political response and mobilisation. As these contradictions intensify, they may provide the basis for a broader movement against exploitation. Initiatives such as Unteilbar and the resurgence of the parliamentary left point to the potential for a unifying left-wing politics.
The central question for the left is how to successfully mobilise politically around these contradictions. The dominant response to Merz's proposal has been to stress the economic usefulness of skilled Syrian workers. A genuinely left-wing response, however, should not stop at exposing the racism behind his remarks. It must also challenge the underlying logic of usefulness itself and develop strategies that confront both authoritarian-neoliberal and fascist responses to the current crisis.
One possible element of such a strategy could be the politics of freedom of movement. It treats migration as a fundamental right and calls for the abolition of borders. Closely linked is the demand for equal rights for everyone, regardless of citizenship. At its core is a shared struggle against exploitation – refusing to divide along national lines. Rather than defending the remnants of progressive-neoliberal migration management by appealing to humanitarian concerns or the economic value of migrant labour for the national economy, this may be the moment for a more proactive alternative: migration policies rooted in solidarity and socio-ecological transformation. Such policies would be guided neither by calculations of economic usefulness nor by nationalist thinking, but by the emancipatory principle of freedom of movement.
 
 
 
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    <title>Warum ein Leben zwischen Deutschland und Syrien nicht umkehrbar ist</title>
    <created>Friday, August 14, 2026 - 06:56</created>
    <location>Syrien</location>
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    <body>Hussam Al Zaher forderte schon 2015: Sprecht mit uns, nicht über uns. Nun meint Merz, 80 Prozent der Syrer:innen sollten zurückkehren und verkennt damit die tatsächlichen deutsch-syrischen Realitäten. Eine Antwort.
Dieser Artikel ist Teil eines Dossiers zu Migration und Bewegungsfreiheit zwischen Syrien und Deutschland, das dis:orient in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung-Beirut veröffentlicht. Alle Beiträge erscheinen auf Deutsch und Englisch.
Read this article in English: Why a life between Germany and Syria cannot simply be undone
Salam,
Ich bin einer von rund 890.000 Menschen, die 2015 als Geflüchtete aus Syrien nach Deutschland gekommen sind, und mein Thema war von Anfang an: Wie kommen wir ins Gespräch? Mein Glück war es, in Hamburg zu landen und dort schnell Kontakte zu Deutschen zu bekommen– zuerst über Facebook und später im echten Leben. Mir ging es aber um mehr als mein persönliches Umfeld, ich wollte einen dauerhaften Ort für den Austausch schaffen.
2018 habe ich mit vielen anderen das kohero-Magazin gegründet, eine migrantische Medienplattform. Kohero schafft Raum für Perspektiven, die in der deutschen Medienlandschaft oft zu wenig sichtbar sind: die Stimmen von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Unser Ziel ist es, dass Menschen nicht aus der Distanz über uns sprechen, sondern sich mit unseren Perspektiven auseinandersetzen.
Wenn Deutsche jetzt fordern, möglichst viele Syrer:innen sollten möglichst schnell zurückkehren, verkennen sie nicht nur unsere gemeinsame gesellschaftliche Realität, sondern wiederholen auch Fehler der Vergangenheit. Lasst mich erklären, warum.
Der Sturz Assads: Die Wunden heilt das nicht
Der Sturz von Assad war ein unbeschreiblicher Moment. Für mich und für alle, die von Syriens diktatorischem System und vom Krieg betroffen waren, der seit 2011 von unserer Regierung mit der Unterstützung des Iran, Russlands und der Hisbollah gegen das syrische Volk geführt wurde, ist es bis heute ein unglaubliches Gefühl.
Dieser große Krieg und der Verlust geliebter Menschen und der Heimat haben den Syrer:innen viel Schmerz zugefügt. Wir alle tragen eine tiefe emotionale Wunde in uns, die auch Assads Sturz nicht über Nacht heilen lässt. Sie tut uns noch immer weh.
Was sich durch seinen Sturz aber geändert hat, sind unsere Gefühle für Syrien. Das Ende der Assad-Ära hat uns die Heimat zurückgegeben und damit ein Gefühl von Stolz auf Syrien. Lange Zeit war da nur die Scham, weil Syrien oft mit Krieg, Schmerz, Geflüchteten, „illegaler“ Migration, angeblichen Verbrechen verbunden war. 
Mit dem Stolz kommt die große Frage: Will ich nach Syrien zurückkehren? Dabei helfen, das Land wieder aufzubauen? Und wenn ja, würde ich das schaffen? 
Das Fremde ist vertraut(er) geworden
Auch wenn ich die Frage grundsätzlich mit „Ja“ beantworte: Ich habe in den letzten zehn Jahren in Deutschland sehr hart gearbeitet, um mir hier eine neue Heimat aufzubauen. Ich habe mir ein neues Zuhause geschaffen und neue Perspektiven für die Zukunft entwickelt. 
Dem gegenüber steht ein großer Verlust durch die Flucht. Wir haben das Gefühl der Zugehörigkeit zu Syrien verloren, Familienmitglieder und Freund:innen sind während des Krieges gestorben oder verschwunden. Von manchen weiß bis heute niemand, wo sie sind. Verloren habe ich auch die Kulisse meiner Kindheitserinnerungen – mein Zuhause, meine Straße, meine Schule, meine Welt.
Verloren trifft es aber eigentlich nicht ganz richtig. Denn die Erinnerungen bleiben und lasten schwer auf mir. Es sind Erinnerungen voller Schmerz, Heimweh und „Sprachweh“. Dieses Wort kam mir in den Sinn, als ich merkte, wie sehr ich die arabische Sprache nach meiner Ankunft in Deutschland vermisste. Mir fehlte der Austausch, das Sprechen, das Kommunizieren. Diese Geschichten von Schmerz und Verlust sowie dem Ankommen in einer neuen Gesellschaft kann man nicht einfach hinter sich lassen und nach Syrien zurückgehen.
Und das Vertraute fremd(er)
Im Februar 2025 reiste ich zum ersten Mal seit fast elf Jahren nach Syrien. Ich stellte mir vor, wie ich in mein Zuhause zurückkehren würde, wie es in meinen Erinnerungen war. Ich kehrte zurück zu meiner Familie, die ich seit 2014 nicht gesehen hatte, zurück in diese Zeit von damals. Doch vor Ort traf ich auf ein völlig verändertes Zuhause. Unsere Wohnung war teilweise durch den Krieg zerstört worden. Und mit dem Gebäude auch Erinnerungen an die Momente darin. 
Es war einfach alles weg. Momente aus meinen ersten Schultagen, meine Bücher, die ich nach und nach gesammelt hatte, Bilder aus meiner Kindheit, meine hässlichen Zeichnungen, meine Gedichte, von denen ich glaubte, sie würden die Welt verändern. Der Erker, in dem ich mit meinen Freund:innen und Geschwistern gespielt habe, wo ich für Prüfungen gelernt habe und wo die köstlichen Mahlzeiten mit der Familie stattfanden – all das hatte ich in Deutschland im Kopf bewahrt, doch in unserem Haus existiert es nicht mehr. Manche der Freund:innen sind gestorben. Auch Gesichter aus meiner Nachbarschaft sind verschwunden. Kinder, deren Gesichter ich kannte, sind jetzt erwachsen. Das Haus können wir renovieren, doch das Zuhause meiner Erinnerung kommt davon nicht wieder.
Die Reise aus dem Jahr 2025 zurück ins Jahr 2011 ging schnell. In nur wenigen Tagen fuhr ich von Hamburg über Düsseldorf, dann von Beirut nach Damaskus. Auf dieser kurzen Reise hat mich die Zeit eingeholt und mir gezeigt, dass das Jahr 2011 unwiderruflich vergangen ist. Das Jahr, in dem ich gehofft, geträumt und geglaubt habe.

Der Schmerz trennt uns voneinander, statt uns zu vereinen
Nach Assads Sturz war die Freude groß. Nach drei Wochen, spätestens nach den ersten Monaten, haben aber viele gemerkt: Ja, Assad ist weg, und das ist gut. Aber er hat ein schwieriges Erbe hinterlassen, unter dem Syrien noch lange leiden wird. 
Das Erbe sind nicht nur die Toten, die Gefolterten, nicht nur die zerstörte Gesellschaft, sondern auch die Spaltung zwischen den Menschen – zwischen denen, die geblieben sind, und jenen im Exil; zwischen den in von oppositionellen Gruppen kontrollierten Gebieten und jenen unter dem Regime; zwischen Menschen in verschiedenen Städten und Regionen.
Alle haben in den  Jahren der Unterdrückung und des Krieges unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die wir als Gesellschaft kaum gemeinsam schultern können. Wie kann man mit so unterschiedlichen Erinnerungen und so viel Schmerz eine gemeinsame Zukunft aufbauen? Die Herausforderung ist nicht nur die zerstörte Infrastruktur oder die wirtschaftliche Lage, sondern vor allem das verlorene gemeinsame Gedächtnis und der isolierende Schmerz jedes und jeder Einzelnen.
Schon vor dem Sturz Assads gab es in Syrien nicht die eine Wahrheit, sondern viele unterschiedliche Wahrheiten. Wer war Täter, wer war Opfer? Wer trug Verantwortung, und wer hat selbst gelitten? Gerade wegen der Unklarheit ist die Suche nach den Fakten so schwierig und wichtig zugleich.
Um die Gegenwart und die Zukunft Syriens gestalten zu können, muss über die Vergangenheit gesprochen werden. Welche Formen von Leid haben Syrer:innen unter dem Assad-Regime erlebt? Welche individuellen und kollektiven Verluste mussten sie ertragen? Nur wenn diese Erfahrungen anerkannt und aufgearbeitet werden, kann ein gemeinsames Verständnis von Geschichte entstehen.
Nach dem Sturz des Regimes entstehen neue Spannungen und Wellen der Gewalt, zum Beispiel durch Massaker an den alewitischen und drusischen Gemeinden. Doch die meisten erkennen nur ihren eigenen Schmerz an, nicht den der anderen. Das befeuert den Konflikt weiter und ist gesellschaftlich die größte Gefahr. 
Eine Rückkehr wäre nun auch ein Neuanfang
Ich möchte beim Wiederaufbau Syriens helfen. Aber wie kann ich ein Land aufbauen, das ich selbst kaum noch kenne? Mein Leben und meine Karriere finden mittlerweile in Deutschland statt. Wenn ich nach Syrien zurückginge, müsste ich vieles noch einmal neu aufbauen. Ich frage mich, ob ich die Kraft dafür habe. Besonders gilt das für die vielen Syrer:innen, die in ihrer neuen Heimat Familien gegründet haben, teilweise mit Menschen aus anderen Ländern. Für Partner:innen und Kinder wäre Syrien ein völlig unbekanntes Land. 
Selbst wenn jemand emotional für eine Rückkehr bereit ist, gibt es vor Ort viele Hürden, zum Beispiel das Bildungssystem: Mehr als 7.000 Schulen sind zerstört. Viele andere sind überfüllt, in den Klassen sitzen oft 40 oder 50 Kinder. Es fehlt an Lehrer:innen und an Ressourcen, es gibt zu wenig Stühle und oft keine Heizung. Manchmal fehlen selbst Türen und Fenster. Die meisten Eltern wollen das ihren Kindern nicht zumuten. Auch nach der Schule sieht es nicht rosig aus: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei etwa 69 Prozent.
Insgesamt benötigt Syrien für den Wiederaufbau fast unvorstellbar viel Geld. Auch wenn Länder wie Deutschland den Prozess unterstützen, wie allein 2026 mit etwa 200 Millionen Euro im Bereich Gesundheit und Wasserinfrastruktur, reicht das bei weitem nicht aus. Die Idee, dass in den nächsten Jahren die Mehrzahl der Syrer:innen Deutschland verlassen könnten, zeigt fehlendes Wissen über uns und die Situation in Syrien.
Die Syrer:innen von heute sind die Gastarbeiter:innen von damals
Deutschland sollte seinen Blick auf uns Syrer:innen verändern. Die Debatte darf sich nicht nur um die Rückkehr drehen, sondern muss endlich anerkennen, wie viel die Menschen hier oft unter schwierigen Bedingungen aufgebaut haben. Natürlich werden viele Syrer:innen nach Syrien zurückkehren, wenn sie das möchten. Niemand argumentiert, dass alle Syrer:innen dauerhaft in Deutschland bleiben wollen.
Viele Syrer:innen sind aber längst Teil dieser Gesellschaft geworden: als Ärzt:innen, Handwerker:innen, Journalist:innen, Studierende und Nachbar:innen. Sie engagieren sich in Parteien, Kulturhäusern und Vereinen. Sie arbeiten als Bus-, Bahn- oder LKW-Fahrer:innen und in vielen weiteren Berufen. Sie haben Netzwerke aufgebaut, Unternehmen und Familien gegründet und tragen jeden Tag zum Leben in diesem Land bei. Doch im politischen und öffentlichen Diskurs fehlt der Respekt für diese Leistung. 
Deutschland müsste aus seiner Geschichte der sogenannten Gastarbeiter:innen gelernt haben. Man kann Menschen nicht einfach wieder zurückschicken, nachdem sie längst Teil der Gesellschaft geworden sind. Sie würden hier fehlen. Wenn Deutschland ständig über Rückkehr spricht, baut das Mauern und Parallelgesellschaften, es drängt die Menschen aus der Gesellschaft heraus. Denn: Wie sollen sie sich einem Land weiter verbunden fühlen, das permanent ihr Existenzrecht infrage stellt?
Dabei war die Willkommenskultur einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sich viele Syrer:innen in Deutschland erfolgreich integrieren und ein neues Leben aufbauen konnten. Sie hat Vertrauen geschaffen und Menschen die Möglichkeit gegeben, Teil dieser Gesellschaft zu werden. Gerade deshalb war das Willkommenheißen mehr als eine humanitäre Geste, es war auch eine Investition in die Zukunft. Das gilt nicht nur für Syrien, sondern für viele Länder.
Verabschieden sollte sich Deutschland vom Syrien-Bild als reines Kriegsgebiet. Syrien kann in Zukunft wirtschaftlich, kulturell und geopolitisch eine wichtige Rolle spielen – auch für Europa. Deutschland profitiert langfristig davon, wenn die Menschen, die hier angekommen sind, als Brückenbauer:innen zwischen ihren Herkunftsländern und ihrer neuen Heimat wirken können: für Investitionen, in der Bildung, mit Sprachkenntnissen, Kultur und durch Partnerschaften.
Vielleicht werden in Zukunft deutsche Schulen, Universitäten oder Cafés in Syrien entstehen. Vielleicht lernen Menschen dort Deutsch; und dann nicht mehr, um zu fliehen, sondern um Beziehungen aufzubauen. Denn genau das bleibt am Ende in jedem Fall bestehen: Beziehungen zwischen Menschen.
 
 
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    <title>Why a life between Germany and Syria cannot simply be undone</title>
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    <body>In 2015, Syrian journalist Hussam al-Zaher urged: "Talk with us, not about us." Yet German Chancellor Friedrich Merz's ignores the realities faced by Syrians living in Germany by claiming that 80% of Syrians should return. A response.
This article is part of a dossier on migration and freedom of movement between Syria and Germany, published by dis:orient in cooperation with the Rosa Luxemburg Foundation Beirut. All articles are published in German and English.
Salam, 
I am one of around 890,000 people who came to Germany as refugees from Syria in 2015. From the very beginning, one question has driven me: How do we start a conversation? I was fortunate to arrive in Hamburg, where I quickly connected with Germans—first through Facebook, and later in person.
I wanted to do more than build relationships within my own circle; I wanted to create a lasting space for dialogue. In 2018, together with many others, I co-founded kohero magazine, a media platform by and for people with migrant and refugee backgrounds. Kohero amplifies perspectives that remain underrepresented in the German media landscape. Our goal is not to have others talk about people like us from a distance, but to ensure that our own voices and experiences are part of the conversation.
When Germans now demand that as many Syrians as possible return to Syria as quickly as possible, they not only misunderstand the realities of our shared society, but also risk repeating the mistakes of the past. Let me explain why.
The fall of Assad did not heal all wounds
The fall of Assad was an indescribable moment. For me, and for everyone affected by Syria's dictatorial rule and by the war that our government waged against the Syrian people from 2011 with the support of Iran, Russia and Hezbollah, it still feels unbelievable today. 
War, the loss of our loved ones and the loss of our home have inflicted deep pain on us Syrians. We all carry a deep emotional wound inside us, one that even Assad's fall cannot heal overnight. It still hurts us today.
What has changed with his fall, though, are our feelings for our country. The end of the Assad era gave us back our homeland and, with it, a sense of pride in Syria. For a long time, we felt only shame, because Syria was so often associated with war, pain, refugees, "illegal" migration and alleged crimes. With that pride came the big question: do I want to return to Syria to help rebuild the country? And if so, would I be able to do it?
The foreign has become (more) familiar
Even though my first answer to that question is “yes”, I have worked very hard over the past ten years in Germany to build a new life for myself here. I have created a new home and developed new prospects for the future.
At the same time, fleeing came at a great cost. We lost our sense of belonging to Syria. Family members and friends died or disappeared during the war. To this day, their fate remains unknown. I also lost the backdrop to my childhood memories: my home, my street, my school, my world.
"Lost” isn’t quite the right word. Because the memories remain and weigh heavily on me. They are memories full of pain, homesickness and “language-sickness.” That word occured to me when I realised how much I missed the Arabic language after arriving in Germany. I missed the conversations, the ease of speaking, the exchanges. These stories of pain and loss, as well as the long process of building a life in a new society, cannot simply be left behind in order to go back to Syria.
And the familiar becomes (even) more foreign
In February 2025, I traveled to Syria for the first time in nearly eleven years. I had imagined what it would be like to return home and find it just as I remembered it. I was going to be reunited with my family, who I hadn't seen since 2014. It felt like stepping back in time. But when I arrived, I found a home that had been completely transformed. Our apartment had been partially destroyed by the war. 
Along with the building, the memories tied to it seemed to have vanished as well. Everything was simply gone: those moments from my first days of school, the books I had collected bit by bit, pictures from my childhood, my ugly drawings, my poems that I believed would change the world. The bay window where I used to play with my friends and siblings, study for exams and share meals with my family lived on in my mind through all those years in Germany. But it no longer existed. Some of my friends had died. Familiar faces from my neighborhood had disappeared as well. Children whose faces I once knew were now adults.
We can renovate the house, but the home of my memories will not return. The journey from the year 2025 back to 2011 was quick: from Hamburg via Düsseldorf to Beirut and from there to Damascus. On this short journey, time caught up with me and showed me that 2011 is irrevocably gone, the year in which I hoped, dreamed and believed.

Pain divides us instead of uniting us
After Assad's fall, there was great joy. But within a few weeks—or at the latest, after a few months—many people came to realise that although Assad was gone, he had left behind a difficult legacy that Syria will suffer from for years to come.
That legacy is made up not only of the dead and the tortured, or of a shattered society. It also includes deep divisions among Syrians: between those who stayed and those who went into exile; between those who lived in areas controlled by opposition groups and those under the regime; and between people from different cities and regions.
During the years of oppression and war, everyone had different experiences that we as a society can hardly bear together. How can we build a shared future with such diverse memories and so much pain? The challenge lies not only in the destroyed infrastructure or the economic situation, but above all in the loss of a shared memory, and in the individual pain felt by each and every person.
Even before Assad’s fall, there was no single truth in Syria, but rather many different truths. Who was the perpetrator and who was the victim? Who bore responsibility and who suffered personally? It is precisely because of this ambiguity that the search for facts is so difficult, yet so important.
In order to shape Syria’s present and future, we must address the past. What forms of suffering did Syrians experience under the Assad regime? What individual and collective losses did they have to endure? Only when these experiences are acknowledged and addressed can a shared understanding of history emerge.
Following the regime’s fall, new tensions and waves of violence have emerged, such as the massacres of the Alawite and Druze communities. Yet most people acknowledge only their own pain, not that of others. This further fuels the conflict and poses the greatest danger to society.
Returning would mean a new beginning
I’d like to help rebuild Syria. But how can I rebuild a country I barely recognise anymore?
My life and career are now centered in Germany. If I were to return to Syria, I’d have to rebuild from the ground up. I wonder if I have the strength to do that. This is especially true for the many Syrians who started families in their new homes, sometimes with people from other countries. For spouses and children, Syria would be a completely unfamiliar country.
Even if someone is emotionally ready to return, there are many obstacles on the ground. Take the education system: more than 7,000 schools have been destroyed and many others are overcrowded with classes of 40 or 50 children. There is a shortage of teachers and resources; there aren’t enough chairs, and often no heating. Sometimes even doors and windows are missing. Most parents don’t want to subject their children to this. The situation isn’t much better after school either: youth unemployment stands at about 69 percent.
Overall, Syria needs an almost unimaginable amount of money for reconstruction. Even though countries like Germany are supporting the process, providing around 200 million euros in 2026 alone for health care and water infrastructure, it is nowhere near enough. The idea that the majority of Syrians might leave Germany in the coming years reflects a lack of understanding about us and the situation in Syria.
Today’s Syrians are the guest workers of the past
Germany should change its perspective on us Syrians. The debate must not revolve solely around repatriation; it must finally acknowledge how much these people have built here, often under difficult conditions. Of course, many Syrians will return to Syria if they choose to. No one is arguing that all Syrians want to stay in Germany permanently.
But many Syrians have long since become part of this society: as doctors, skilled tradespeople, journalists, students and neighbours. They are active in political parties, cultural centers and clubs. They work as bus, train, or truck drivers and in many other professions. They have built networks, started businesses and raised families. They contribute to life in this country every day. Yet political and public discourse lacks respect for their achievements.
Germany should have learned from its history with so-called "guest workers". You can’t simply send people back once they’ve long since become part of society. That would be a loss to society. When Germany constantly talks about return, it builds walls and creates parallel societies; it pushes people out of society. After all, how are we supposed to continue feeling connected to a country that constantly questions our right to exist?
Yet Germany's welcoming culture was one of the key reasons why so many Syrians were able to build new lives and find their place in German society. It fostered trust and created the conditions for belonging. Welcoming refugees was therefore more than an act of humanitarian solidarity; it was also an investment in the future. That is true not only for Syrians, but for people from many other countries.
Germany should stop viewing Syria solely as a war zone. In the future, Syria could play an important economic, cultural and geopolitical role, for Germany and for Europe more broadly. In the long run, Germany will benefit if the Syrians who made their lives here can serve as bridges between their country of origin and their new home, through investment, education, language, culture and partnerships.
Perhaps one day German schools, universities or cafés will open in Syria. Perhaps people there will learn German not to leave, but to build connections. Because in the end, what endures are the relationships people build with one another.
 
 
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    <title>„Ohne Gemeinschaft kein Widerstand“</title>
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    <location>Deutschland</location>
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    <body>Der Kampf gegen Abschiebungen in Deutschland hat eine lange, oft unsichtbare Geschichte. Trotz der wachsenden Anti-Migrationspolitik stellen Formen der Solidarität das Grenzregime weiterhin in Frage. Ein Interview mit Mel Bennet.
Dieser Artikel ist Teil eines Dossiers zu Migration und Bewegungsfreiheit zwischen Syrien und Deutschland, das dis:orient in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung-Beirut  veröffentlicht. Alle Beiträge erscheinen auf Deutsch und Englisch. Read this article in English: “Building communities of resistance is key” 
In den letzten Jahren stand der Kampf für Bewegungsfreiheit vor großen Herausforderungen: die Verschärfung des europäischen Asylsystems, die Militarisierung von Grenzen und die Kriminalisierung von Migration. Mel Bennet [1] , Sozialarbeiterin und No Border-Aktivistin, über Strategien, den Widerstand gegen Grenzen zu organisieren und solidarische Gemeinschaften aufzubauen.
Wer ist in Deutschland derzeit am stärksten von Abschiebung bedroht?
Gerade werden die meisten Menschen aus Deutschland in die Türkei abgeschoben – vor allem Kurd:innen. Auch Personen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern in Südosteuropa sind betroffen. Nach der Türkei war Georgien im Jahr 2025 das zweitgrößte Zielland für Abschiebungen. Im Rahmen des Dublin-Abkommens schiebt Deutschland vor allem nach Spanien, Frankreich, Bulgarien, Griechenland und Polen ab.
Außerdem ist die Zahl der Abschiebungen in den Irak nach einem geheimgehaltenen Abkommen zwischen Deutschland und dem Irak 2023 stark angestiegen.
Ja, davon sind besonders Jesid:innen betroffen, was eine absolute Schande ist: Im selben Jahr, in dem Deutschland den Völkermord an den Jesid:innen im Irak anerkennt, stufen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Verwaltungsgerichte sie nicht mehr als „von spezifischer gruppenbezogener Verfolgung betroffene Bevölkerungsgruppe“ ein. Seitdem sind die Bewilligungsquoten für Asyl drastisch gesunken. Im Irak sind Jesid:innen Gewalt ausgesetzt, leben in zerstörter Infrastruktur und sind von Wohnungslosigkeit bedroht.
Obwohl die Taliban in Afghanistan seit 2021 wieder an der Macht sind, hat Deutschland wieder angefangen, regelmäßige Charter-Abschiebungen nach Afghanistan durchzuführen. Auch Menschen aus nordafrikanischen Ländern wie Marokko, Tunesien und Algerien werden in großer Zahl abgeschoben. In den letzten zwei Jahren setzte der Staat Abschiebungen und Migrationsrecht außerdem zunehmend als Mittel der Unterdrückung gegen Palästinenser:innen und andere Aktivist:innen ein, die sich gegen den Völkermord im Gazastreifen engagieren.
Im Juni ist die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft getreten. Wie wird sie sich auf Abschiebungen auswirken?
Die Reform bedeutet eine komplette Neugestaltung des Asylrechts in Deutschland und der EU. An einigen größeren Flughäfen in Deutschland werden bereits neue „Grenzasylverfahren“ durchgeführt. Diese Verfahren betreffen Personen, die aus Ländern einreisen, in denen die Bewilligungsquote für Asyl bei unter 20 Prozent liegt – Quoten, die ohnehin ungerecht und willkürlich sind. Sie betreffen auch Personen, die mit ungültigen oder ganz ohne Dokumente einreisen – was oft der Situation im Herkunftsland oder der Flucht geschuldet ist.
Wie sehen diese Grenzasylverfahren genau aus?
Das beschleunigte „Grenzasylverfahren“ ist auf zwölf Wochen begrenzt. Wenn der Asylantrag abgelehnt wird – was in den allermeisten Fällen der Fall sein wird – werden sie innerhalb weiterer zwölf Wochen direkt vom Flughafen abgeschoben. Während dieser gesamten Zeit werden die Asylsuchenden in sogenannten Transiteinrichtungen untergebracht. Das sind gefängnisähnliche Gebäude an den Flughäfen, die nicht verlassen werden dürfen. Dort haben sie – wenn überhaupt – nur eingeschränkten Zugang zu rechtlicher Unterstützung.
All das ermöglicht der juristische Kniff „Fiktion der Nichteinreise“. Das heißt, es wird so getan, als würden diese Menschen sich nicht auf deutschem Hoheitsgebiet befinden, obwohl sie physisch hier sind und am Flughafen inhaftiert werden. Die Flughäfen Frankfurt, Berlin und München betreiben bereits solche Zentren, weitere sind für Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf geplant. Da Unterstützer:innen dort keinen Zugang haben, erschwert es das „Grenzasylverfahren“ extrem, sich gegen Abschiebungen zu organisieren.
Darüber hinaus werden durch die Reform die Rechte von Menschen, die zuerst in anderen EU-Ländern ankommen und gemäß der Dublin-Verordnung abgeschoben werden sollen, zunehmend eingeschränkt. Die sogenannten sicheren Drittstaaten, in die Menschen abgeschoben werden können, müssen die in der Genfer Konvention festgelegten Schutzstandards nicht mehr erfüllen. All diese Änderungen am GEAS untergraben die Rechte der Menschen und erleichtern es dem Staat, Menschen abzuschieben.
Wie organisieren sich Aktivist:innen, um Abschiebungen zu verhindern, und wie wirkt sich die Verschärfung der Migrationspolitik auf diese Arbeit aus?
Früher waren Blockaden vor Unterkünften von Geflüchteten erfolgreich darin, geplante Abschiebungen zu verhindern. So gelang es etwa Aktivist:innen in Osnabrück 2014 und 2015, durch Blockaden fast 40 Abschiebungen zu verhindern. Sie schafften es, ein riesiges Netzwerk zu mobilisieren, das den Zugang der Polizei zu den Lagern für Abschiebungsfestnahmen physisch blockieren konnte. Um so etwas zu planen, braucht es jedoch eine gewisse Vorhersehbarkeit, politischen Willen und Solidarität.
Im Zuge der allgemeinen Verschärfung der Migrationspolitik in den vergangenen Jahren wurde die Informationspflicht über anstehende Abschiebungen eingeschränkt. Es gibt zwar nach wie vor Möglichkeiten, sich über eine geplante Abschiebung zu informieren, beispielsweise über Kanäle wie Deportation Alarm, doch das wird zunehmend schwieriger. Das erschwert es natürlich, sich dagegen zu organisieren.
Denkst du, diese Art von Blockaden wäre heute noch denkbar – vorausgesetzt, es gäbe die Informationen?
Die Ära der „Willkommenskultur“ ist definitiv vorbei. Der allgemeine Rechtsruck innerhalb der weißen Mehrheitsgesellschaft, rassistische Narrative über Migration und die Kriminalisierung von Migration haben zu einem massiven Rückgang der Solidarität geführt.
Das erschwert es, große Gruppen von Menschen zu mobilisieren. Bereits im Jahr 2023 und Anfang 2024, als es noch eine Chance gab, die GEAS-Reform zu verhindern, waren die Teilnehmer:innenzahlen bei den Demonstrationen in Berlin sehr gering. Mit dieser neuen Realität müssen wir umgehen und unsere Handlungsfähigkeit ausbauen. Wären mehr Menschen organisiert und koordiniert, wäre so viel mehr möglich.
Wie könnte man es schaffen, wieder mehr Menschen zu organisieren?
Es ist wichtig, auf verschiedene Taktiken zurückzugreifen. Um die rassistischen Narrative zu ändern, die Abschiebungen legitimieren, müssen wir mit den Menschen in unseren Communities sprechen und Kampagnen in der breiteren Öffentlichkeit aufbauen. Gleichzeitig müssen wir Menschen, die für ihr Bleiberecht kämpfen, praktisch unterstützen. Dazu gehören das Teilen von Ressourcen und die Vermittlung von Rechtsberatung, aber auch direktere Interventionen. Der Kern der Arbeit besteht darin, Beziehungen und Netzwerke sowie politische Strukturen aufzubauen und zu stärken, damit sie langfristig halten. Ich denke, die eigentliche Arbeit besteht darin, Isolation abzubauen, mit unseren Communities in Verbindung zu bleiben und uns gegenseitig zu unterstützen. Ohne Gemeinschaft gibt es keinen Widerstand.
In den USA hat sich massiver Widerstand gegen ICE gebildet. Ist diese Bewegung ein Vorbild?
Die Massenmobilisierung an Orten wie Minneapolis funktionierte vor allem über die Menschen in der Nachbarschaft selbst – autonome Gruppen, die in ihren Straßen und Vierteln aktiv wurden. Sie hielten Wache, gingen auf Patrouille und haben die Menschen vor ICE gewarnt. Aber auch andere Formen der Unterstützung wie etwa Essensversorgung wurden organisiert. Die Entwicklungen dort zeigen das Potenzial, das im Aufbau solcher Beziehungen steckt. Es gibt zwar Unterschiede zwischen Turtle Island – einem indigenen Namen für Nordamerika einschließlich der USA – und Deutschland, doch letztlich ist der Ansatz derselbe: der Aufbau von widerständigen Gemeinschaften, die wachsam und vernetzt sind und bereit sind zu intervenieren, wenn Menschen innerhalb der Gemeinschaft ins Visier genommen werden.
Wie kann das in Deutschland aussehen?
Für die politische Organisierung, insbesondere innerhalb der No Border-Bewegung sind die Beziehungen zu Menschen entscheidend, die sich vielleicht noch nicht engagieren, sowie zu jenen, die im Asylsystem feststecken. Viele politische Gruppen besuchen die Camps und knüpfen dort Kontakte. Es ist wichtig, regelmäßig vor Ort zu sein und Informationen weiterzugeben, beispielsweise über die Rechte im Asylprozess oder den Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Wir müssen Gemeinschaft und politisierte Räume aufbauen, in denen Menschen gemeinsam für ihre Rechte kämpfen können. Ich habe Hoffnung, dass wir das schaffen.
Wie können sich Leute engagieren, die noch nicht gegen Abschiebungen aktiv sind?
Abschiebungen werden von Staaten als legitime Praxis der Einwanderungskontrolle dargestellt. Das verschleiert die gewaltvolle Realität einer Abschiebung. Der Kampf beginnt damit, diese Normalisierung zu hinterfragen. Wir müssen dieses Narrativ verändern und unsere Denkweise in Bezug auf Abschiebungen hinterfragen. Wir können keine großen Gruppen von Menschen dazu mobilisieren, sich an einer Blockade zu beteiligen, wenn Abschiebungen als gerechtfertigt oder akzeptabel angesehen werden.
Aus Deutschland werden täglich Menschen abgeschoben, und Mitreisende können hier eingreifen. Abgeschobene Personen werden in der Regel vor dem Boarding der anderen Passagiere in den hinteren Teil des Flugzeugs gebracht, mit oder ohne Polizeibegleitung. Wenn man jemanden in dieser Situation sieht, kann man die Person ansprechen und fragen, ob sie Hilfe benötigt. Man kann sich weigern, sich hinzusetzen, dem Personal die Situation erklären und andere Passagiere einbeziehen. Das kann dazu führen, dass der oder die Pilot:in den Flug mit der betroffenen Person an Bord aus Sicherheitsgründen verweigert. Pilot:innen können sich gegen den Start entscheiden. Es kommt recht häufig vor, dass Pilot:innen den Flug verweigern – sei es aus ethischen oder aus Haftungsgründen.
Dies ist nur ein Beispiel – es gibt viele Möglichkeiten, gemeinsam Abschiebungen zu verhindern. Es ist oft entscheidend, jemanden bereits früh in seinem Asyl- oder Migrationsprozess zu unterstützen und ihn mit Hilfsangeboten zu vernetzen. Es geht also darum, herauszufinden, wie man – je nach der eigenen Position und den eigenen Möglichkeiten – wirksam handeln kann.
Was war deine erste Reaktion, als Merz während des Besuchs von al-Scharaa die Ausreise hunderttausender Syrer:innen ankündigte?
Es hat mich nicht überrascht. Etwas sehr ähnliches passiert bereits in Bezug auf Afghanistan. Zuerst heißt es, dass sie nur „Kriminelle“ abschieben würden, und dann eskaliert die Situation. Gerade befinden sich vier Afghan:innen ohne Vorstrafen in Abschiebehaft, trotz erheblicher Bedenken in Bezug auf ihre Sicherheit. Einer wurde bereits abgeschoben. Das ist das direkte Resultat der deutschen Zusammenarbeit mit den Taliban.
Für imperiale Nationalstaaten wie Deutschland dienen Grenzen und Migrationspolitik dazu, weiße, nationalistische Konzepte von Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten. Geflüchtete aus Syrien sind in Deutschland nicht erwünscht, es sei denn, sie erfüllen eine bestimmte wirtschaftliche Funktion. Der Staat wird jede Gelegenheit nutzen, sie zurückzuschicken. Auch wenn der Kontrast zwischen Merz’ Aussage und Merkels „Wir schaffen das“-Haltung aus dem Jahr 2015 stark scheint – das System war damals das Gleiche wie heute.
Wenn du auf 2015 zurückblickst – gab es damals nicht ein Momentum, das Verständnis von Staatsbürgerschaft grundlegend zu ändern? Also die Vorstellung von Grenzen und Zugehörigkeit in einer zunehmend post-migrantischen deutschen Realität zu dekolonialisieren?
Ich habe eine abolitionistische Haltung zu Grenzen. Natürlich gibt es weniger grausame Wege, Migration zu regeln. Aber ich bin im sogenannten Kanada aufgewachsen, einem siedlerkolonialen Projekt. Deshalb verstehe ich, dass Ungerechtigkeit und Unterdrückung im Staat selbst und seinem illegitimen Anspruch auf Land und Souveränität verwurzelt sind. Nationalstaaten basieren auf Abgrenzung – sie konstruieren eine bestimmte Vorstellung davon, wer dazugehört und wer nicht. Die Kriterien für die Zugehörigkeit sind kolonial und rassistisch geprägt und richten sich nach kapitalistischen Interessen. Auch in Deutschland sind Vorstellungen von Staatsbürgerschaft und vom „Deutschsein“ seit jeher in der Vorherrschaft der Weißen und der Ausgrenzung von „Anderen“ verwurzelt.
Selbst wenn es 2015 diesen Moment der Solidarität gab, war dieser gute Wille doch weit davon entfernt, einen radikalen Wandel herbeizuführen. Er änderte nicht das Verständnis von Staaten, Grenzen und dem, wer über Zugehörigkeit oder Ausschluss entscheidet. Ein Jahrzehnt später können wir erkennen, wie leer das alles war. Es gab nie ein echtes Bekenntnis zum angeborenen Recht der Menschen, sich frei zu bewegen und in Würde und Freiheit zu leben, sei es hier oder anderswo.
Nachdem 2024 die Remigrationspläne der AfD bekannt wurden, protestierten Millionen Menschen dagegen – es kam zur größten Massenkundgebung in der deutschen Geschichte. Gleichzeitig finden bereits Abschiebungen in großem Umfang statt, ohne dass es zu breiten Protesten dagegen kommt. Wie lässt sich das erklären?
Ich glaube, die Menschen betrachten diese Bedrohungen abstrakt als etwas, das in der Zukunft passieren könnte. Die Empörung im Jahr 2024 war kurzsichtig und weitgehend losgelöst von den Problemen und dem Leid, das bereits jetzt stattfindet. Natürlich müssen wir verhindern, dass die AfD an die Macht kommt. Doch viele Menschen übersehen die Prozesse der Faschisierung, die bereits im Gange sind. Gewalt an den Grenzen und Abschiebungen sind Formen faschistischer Gewalt. Es wird schlimmer werden und noch mehr Menschen betreffen, wenn wir uns nicht wirksam dagegen organisieren. Man kann sich die Repression, die gezielte Verfolgung und das Mundtotmachen von Aktivist:innen in der Palästina-Solidaritätsbewegung ansehen. Das zeigt, wo Deutschland im Zweifel in Bezug auf Prinzipien wie Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren steht.
Was gibt dir Hoffnung, diese Arbeit fortzusetzen, insbesondere angesichts all der Gewalt im Zusammenhang mit Abschiebungen?
Es motiviert mich sehr, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die meine politische Analyse teilen. Unter uns herrscht Klarheit über unsere Grundsätze. Auch den Kampf der Menschen um ihr Bleiberecht mitzuerleben und die Energie und Entschlossenheit meiner Mitstreiter:innen zu sehen, gibt mir Kraft. Mit anderen Menschen in einem kollektiven Kampf für eine andere Welt verwurzelt zu sein, macht mir Hoffnung.
[1]  Name von der Redaktion geändert.
 
 
 
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    <title>“Building communities of resistance is key”</title>
    <created>Tuesday, August 11, 2026 - 06:30</created>
    <location>Deutschland</location>
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    <body>The struggle against deportations in Germany has a long but often hidden history. Despite the repression of freedom of movement, practices of resistance and solidarity continue to challenge the border regime. An interview with Mel Bennet.
This article is part of a dossier on migration and freedom of movement between Syria and Germany, published by dis:orient in cooperation with the Rosa Luxemburg Foundation Beirut. All articles are published in German and English.
The struggle for freedom of movement has faced significant challenges in recent years: growing restrictions on the EU asylum system, the ongoing militarisation of borders and the criminalisation of migration. In this interview, social worker and No Border organiser Mel Bennet [1]  talks about strategies for organising resistance and the need to build supportive communities from below.
Who is currently affected by deportations from Germany?
Recently, most deportations from Germany have been to Turkey, with Kurdish people particularly affected. People from "safe" countries of origin in Southeast Europe are also among those most affected. After Turkey, Georgia was the second largest destination country for deportations in 2025. Spain, France, Bulgaria, Greece and Poland are the main destinations for deportations under the Dublin procedure.
There's also been a major rise in deportations to Iraq, following a secretive agreement between Berlin and Baghdad in 2023.
Yes, this disproportionately affects Yezidi people and is a total disgrace. In the same year that Germany recognised the genocide of Yezidis in Iraq, the Federal Office for Migration and Refugees (BAMF) and the administrative courts classified them as no longer facing specific group-based persecution. Asylum approval rates have since plummeted and Yezidis are increasingly being deported into conditions of physical danger, destroyed infrastructure and homelessness.
Despite the Taliban's return to power and a previous deportation freeze, Germany now also conducts regular charter deportations to Afghanistan. People from North African countries like Morocco, Tunisia and Algeria are also deported in high numbers. And in the past two years, the state has increasingly used deportation and migration law as a tool of repression against Palestinians and other activists mobilised against the genocide in Gaza.
In June, the Common European Asylum System (CEAS) reforms came into force. How will this affect deportations?
The reforms are a complete overhaul of asylum law in Germany and the EU. New "border asylum procedures" are already happening at the major airports in Germany. These procedures affect people arriving from countries with asylum approval rates below 20 percent – rates which are already unjust and arbitrary. They also affect people who arrive with missing or invalid documents, which is not uncommon if you are fleeing from difficult situations.
What do these border asylum procedures look like in practice?
The accelerated procedure is limited to twelve weeks, and if the asylum case is rejected, which will be the vast majority, people face another twelve weeks within which they are deported directly from the airport. During this entire time, they are kept in so-called transit facilities: essentially prison-like buildings at airports where they are barred from accessing the outside world and have only highly restricted access, if any, to legal counseling.
All of this happens through the legal fiction of "non-entry": people are not legally considered to have entered German territory, even though they are physically here and incarcerated at the airport. Frankfurt, Berlin and Munich airports are already operating these centres, and more are being planned for Stuttgart, Hamburg and Düsseldorf. This presents a massive challenge for organising and radically changes how people supporting are able to respond to these deportations because of the lack of access.
Beyond this, the rights of people who first arrived in other EU countries and are subject to deportation under the Dublin Regulation are being increasingly restricted. The so-called safe third countries to which people can be deported no longer need to meet the standards for protection set out in the Geneva Convention. All of these CEAS changes erode people's rights and make it easier for the state to deport people.
How are activists organising to block deportations, and how does tightening migration policy affect this work?
In the past, there's been success with mass blockades in front of camps before planned deportations. For instance, in 2014 and 2015, activists in Osnabrück managed to prevent almost 40 deportations through blockades. They mobilised a huge network of people that consistently responded to calls to join the blockades, which physically prevented police access to the camps for deportation arrests. These kinds of interventions require the ability to plan ahead though, as well as political will and solidarity.
With the general tightening of migration policy in the past years, the obligation to provide information about forthcoming deportations has been restricted. Information about when a deportation might happen is vital for organising some kind of response. There are still ways to find out about a planned deportation, for instance through channels like Deportation Alarm, but it is getting more difficult.
Would public blockades still be thinkable today if that information was available?
We are at a very different place now than the "Willkommenskultur" era of 2015. The broader shift to the right within the predominantly white German society, racist narratives about migration and the criminalisation of migration have all contributed to a huge decline in solidarity. This makes it difficult to mobilise large groups of people. Back in 2023 and early 2024, for example, when there was still a chance to prevent the CEAS reforms, demonstrations in Berlin had very low turnout. So we need to plan with this reality and build up capacity to act. If more people were organised and coordinated, so much more would be possible.
How can this point be reached?
I think it's important to use a diversity of tactics in how we respond. To change racist narratives that legitimise deportation, we need to engage with people in our communities and campaign within a wider public. At the same time, we need to continue practically supporting people fighting for their right to stay. This can include sharing resources and connecting people to legal counselling, but also more direct interventions. Ultimately though, the core of the work is to build and strengthen relationships, networks and political structures that will last. The real work is in reducing isolation, being in relationship with our communities and mutually supporting each other.
The massive mobilisation against ICE in the U.S. has gained wide attention. Does it serve as an example for mobilising against deportation in Germany?
The mass mobilisation in places like Minneapolis was effectively centered around neighbourhoods and communities. Autonomous units of people were taking action on their blocks and in their neighbourhoods by watching, patrolling and warning people about ICE, doing food delivery and otherwise supporting each other. The developments there show the potential of building up these kinds of relationships. There are differences between Turtle Island – an Indigenous name for North America including the US – and Germany, but in the end the approach is the same: building up communities of resistance that are aware, connected and ready to take action if people within the community are targeted.
How could this look in Germany?
For political organising, especially within the No Border movement, building relationships with people that might not yet be involved, and people that are stuck in the asylum system, is key. Many groups go to the camps and connect with people there. It is important to create points of contact and access by regularly visiting and sharing information about, for instance, people's rights in the asylum and migration system, or how to access counselling or support structures. We need to build up community and politicised spaces where people can collectively fight for their rights. I am hopeful that we will get there.
For people not yet connected to the struggle against deportations: what are ways to support?
First of all, deportation is framed by states as a legitimate practice of immigration enforcement. This obscures the lived realities of deportation and its inherent violence. The struggle against deportation starts with troubling that normalisation. We need to shift that narrative within our own communities and challenge the way we think about deportation. We cannot mobilise large groups of people to get engaged in a blockade if deportations are considered justified or acceptable in the first place.
People are deported on flights every day from Germany and fellow passengers actually have a lot of power to intervene. People being deported are typically brought to the back of the plane before others are boarded, with or without police. If you see that someone is in this situation, engage with them, ask if they need help. You can refuse to sit down in your seat, voice your opposition to staff and rally other passengers. This can trigger the pilot not to fly with the person onboard due to safety. Pilots have the ultimate authority on whether or not to fly, and it is actually quite common that pilots refuse, either out of ethical principles or liability.
This is just one example, there are a lot of different roles in collectively preventing deportation. Supporting someone early in their asylum or migration process and connecting them to resources can also be decisive. So it's about figuring out how you, whatever your position may be, can be effective.
When Merz announced, during the visit of al-Sharaa, that hundreds of thousands of Syrians in Germany should return to Syria in the coming years, what was your first reaction?
This came as no surprise, unfortunately. Something very similar is already happening with Afghanistan. First they announce they will only deport "criminals" and then they escalate. There are currently five known cases of Afghans without criminal records in detention for deportation, as a direct result of German collaboration with the Taliban and despite severe safety concerns. One of them was already deported.
For imperial nation states like Germany, borders and migration policy serve to maintain white nationalist concepts of citizenship and belonging. Refugees from Syria are not wanted by Germany, unless they fulfill some specific economic function, and the state will take any opportunity to return them. While the contrast of Merz's statement to Merkel's "Wir schaffen das" attitude of the 2015 era might be stark, this is the system working as it has always worked.
Looking back to 2015, don't you think there was some momentum for changing this dominant understanding of citizenship? In a sense, for decolonising the very fundamental understanding of borders and belonging in light of a strengthened post-migrant reality all over Germany?
I take an abolitionist stance on borders. Of course, there are less cruel ways to structure migration. But having grown up in so-called Canada, a settler colonial project, I understand the core of injustice and oppression to be rooted in the state itself and its illegitimate claim to land and sovereignty. Nation states are built on the premise of exclusion – they construct a particular idea of who belongs and who does not. The criteria for belonging is of course colonial, racialised and determined according to capitalist interests. In Germany, notions of citizenship and of being German have always been rooted in white supremacy and the exclusion of "others".
So while there might have been this moment of solidarity in 2015, that goodwill was far from a radical shift in thinking about states, borders and who gets to define who does and does not belong. We can see a decade later how hollow that all was – that there was never a real commitment to people's inherent right to move and to live in dignity and freedom, here or anywhere else.
After the AfD's "remigration" plans were revealed in 2024, millions protested, creating the largest mass demonstration in German history. At the same time, deportations are already happening on a large scale, without widespread protest. How do you explain this?
I think people think of these threats as abstract, as something that could happen in the future. The outrage in 2024 was shortsighted and largely disconnected from the problems and suffering happening already. Of course we need to prevent the AfD from coming to power. But many people overlook the processes of fascistisation that are already taking place. Border violence and deportations are forms of fascist violence. It will get worse and affect even more people if we don't organise effectively against it, but we can look to the repression, the targeting and silencing of activists in the Palestine solidarity movement to see where Germany already stands on principles like freedom of assembly, freedom of opinion and the right to due process.
What are the moments in your political activism that give you hope to continue this work, especially in light of all the violence connected to deportations?
Sharing a political analysis with the people I'm organised with and having clarity in our principles motivates me a lot. Bearing witness to people in their fight to stay and seeing the energy and determination of comrades. Being around other people who are committed to creating a different kind of world and feeling rooted in a collective struggle is hopeful and nourishing.
[1]  This last name was changed by the editors to protect Mel’s privacy.
 
 
 
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    <title>Rückkehr: Eine rassistische Idee in Zeiten wirtschaftlicher Krise</title>
    <created>Wednesday, August 5, 2026 - 09:40</created>
    <location>Syrien</location>
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    <body>Rückkehrende Syrer:innen finden eine dramatische wirtschaftliche Lage vor. Erzwungene Rückführungen würden bestehende Konflikte um Arbeit und Wohnraum vor Ort weiter verschärfen.
Dieser Artikel ist Teil eines Dossiers zu Migration und Bewegungsfreiheit zwischen Syrien und Deutschland, das dis:orient in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung-Beirut veröffentlicht. Alle Beiträge erscheinen auf Deutsch und Englisch.
Read this article in English: Returning to Syria - Racist narratives meet economic reality
Während des ersten offiziellen Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Deutschland Ende März 2026 erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass etwa 80 Prozent der derzeit in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer innerhalb der kommenden drei Jahre in ihre Heimat zurückkehren sollten, das entspräche mehr als 720.000 Menschen.
Nach umfassender Kritik stellte Merz klar, bei der Aussage handle es sich um den Wunsch des syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa. Zugleich betonte er, diejenigen, die in Deutschland bleiben möchten und gut integriert sind, könnten durchaus bleiben. Al-Scharaa wies die Darstellung von Merz zurück und bezeichnete sie als übertrieben. Er betonte, dass die Rückkehr vom wirtschaftlichen Wiederaufbau und der Verbesserung der Lebensbedingungen in Syrien abhänge. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul stellte sich wiederum hinter die Aussage des Bundeskanzlers.
Unabhängig von diesen „Klarstellungen“ und der fehlenden Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens spiegeln die Äußerungen einen politischen Trend wider, der auf die Rückkehr beziehungsweise Abschiebung syrischer Geflüchteter zielt. Die Zustimmung des Europäischen Parlaments zur Rückführungsverordnung 2026 verdeutlicht den anhaltenden Angriff auf Migrant:innen und belegt die Zusammenarbeit konservativer und rechtsextremer Kräfte.
Gleichzeitig verschärft sich die rassistische und islamfeindliche Stimmung in Europa. Die Pläne für massenhafte Rückführungen sind aber nicht nur wegen ihres rassistischen Charakters abzulehnen. Sie richten sich ebenso gegen die Interessen der syrischen Arbeiter:innenklasse – sowohl in Deutschland als auch in Syrien.
Rückkehr nach Syrien?
Die überwiegende Mehrheit der Syrer:innen in Deutschland und Europa möchte unter den aktuellen Umständen nicht nach Syrien zurückkehren. Zerstörung durch den Krieg, politische Instabilität, Wirtschaftskrise und anhaltende Menschenrechtsverletzungen machen eine sichere Rückkehr unmöglich.
Der syrische Arbeitsmarkt befindet sich weiterhin in einer schweren Krise und insbesondere unter jungen Menschen ist die Arbeitslosigkeit hoch. Es fehlen belastbare Erhebungen, aber Schätzungen für 2025 gehen von einer Jugendarbeitslosigkeit zwischen 14 und 69 Prozent aus. Hinzu kommt, dass rund 83 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse dem informellen Sektor zugerechnet werden. Damit fehlt den meisten Beschäftigten eine soziale Absicherung und rechtlicher Schutz, Millionen Arbeiter:innen sind von Ausbeutung oder einem plötzlichen Einkommensverlust bedroht.
Die Rückkehr von schätzungsweise 1,6 Millionen Syrer:innen seit Dezember 2024 belastet den Arbeitsmarkt zusätzlich. Die meisten von ihnen hatten in den Nachbarstaaten, insbesondere in der Türkei, im Libanon und in Jordanien Schutz gesucht. Zusätzlich kehrten rund 1,9 Millionen Binnenvertriebene in ihre Herkunftsregionen zurück, es sind jedoch weiterhin etwa 5,54 Millionen Menschen innerhalb Syriens vertrieben. Zählt man die noch im Ausland lebenden Syrer:innen hinzu, bleibt mehr als die Hälfte der Bevölkerung vertrieben.
Nach Angaben des UNHCR setzt die Rückkehr bereits ohnehin überlastete öffentliche Infrastruktur und die sozialen Dienstleistungen unter zusätzlichen Druck – insbesondere in Regionen mit vielen Binnenvertriebenen und Rückkehrer:innen. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist lediglich etwas mehr als die Hälfte der öffentlichen Krankenhäuser voll funktionsfähig, und nur etwa ein Drittel der Gesundheitszentren arbeitet im Normalbetrieb.
Gleichzeitig ist mehr als ein Drittel aller Schulen beschädigt oder zerstört. Auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) betonte im Mai 2025, dass fehlende wirtschaftliche Perspektiven und mangelhafte Dienstleistungen die größte Herausforderung für rückkehrende Syrer:innen darstellen.
Der Bedarf für den Wiederaufbau Syriens ist enorm. Die Weltbank geht von Kosten in Höhe von 216 Milliarden US-Dollar aus, was circa dem zehnfachen des gegenwärtig geschätzten Bruttoinlandsprodukts des Landes entspricht. Neun von zehn Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, fast 17 Millionen sind auf unmittelbare humanitäre Hilfe angewiesen und mehr als neun Millionen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit.
Im Juli 2025 erhöhten die syrischen Behörden die Gehälter im öffentlichen Dienst um 200 Prozent, im März 2026 noch einmal um die Hälfte. Dennoch reichen die Einkommen weder im öffentlichen noch im privaten Sektor aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Dasselbe gilt für den gesetzlichen monatlichen Mindestlohn, der nach einer drastischen Erhöhung mit 1,256 Millionen syrischen Pfund (entsprach Mitte Juni 2026 etwa 94 US-Dollar) weiterhin weit unter dem Existenzminimum liegt.
Eine massenhafte Rückkehr syrischer Geflüchteter würde also eine ohnehin angespannte Wirtschaft zusätzlich belasten. Gleichzeitig gingen die Rücküberweisungen aus dem Ausland in einem solchen Fall stark zurück.
Überweisungen zum Überleben
Die meisten Syrer:innen sind auf finanzielle Unterstützung durch Angehörige im Ausland angewiesen. Nach Schätzungen belaufen sich die Rücküberweisungen auf rund vier Milliarden US-Dollar jährlich und kommen seit 2011 primär aus Europa und den Golfstaaten. Mit jährlich zwischen 300 und 400 Millionen Euro sind Überweisungen aus Deutschland die wichtigste europäische Quelle, was sich auf die fortschreitende Integration syrischer Geflüchteter in den deutschen Arbeitsmarkt zurückführen lässt.
Nach 2011 waren die Rücküberweisungen lediglich eine Ergänzung der Einkommen, mit der Zeit aber wurden sie immer wichtiger. Mit der fortschreitenden Entwertung der syrischen Währung und anhaltend hoher Inflation sind sie für viele Familien mittlerweile die wichtigste oder sogar einzige Einkommensquelle zur Sicherung des Lebensunterhalts.
Seit dem Sturz des Assad-Regimes werden Überweisungen auch für den Wiederaufbau zerstörter Häuser genutzt. In manchen Regionen haben sich gemeinschaftliche Initiativen gebildet, die mit Geldern aus der syrischen Diaspora Gebäude und lokale Infrastruktur reparieren.
Immobilienprojekte in einer Wohnraumkrise
Auch 2026 leidet Syrien weiter unter einem massiven Mangel an Wohnraum und einer weitgehend zerstörten Infrastruktur. Nach dem Humanitarian Needs and Response Plan (HNRP) für das Jahr 2025 ist rund ein Drittel der Wohnungen beschädigt oder vollständig zerstört. Wichtige Infrastruktur wie Straßen, Wasser- und Stromnetze oder die Abwasserversorgung sind in weiten Teilen des Landes nicht funktionsfähig.
Ein umfassender Wiederaufbauplan fehlt und so entstanden in mehreren Städten lokale Proteste gegen Immobilienprojekte, die mehr Profit erzielen als den dringend benötigten Wohnraum schaffen sollen. In Homs setzte die Bevölkerung des Stadtteils Qarabis das kuwaitische Unternehmen Al-Omran Real Estate Development Company unter Druck, Teile seines Projekts „Boulevard of Victory“ aufzugeben, das viele Bewohner:innen aus ihren Häusern verdrängt hätte.
Auch in Damaskus konnte die Bevölkerung ein Bauvorhaben verhindern, das den al-Jahiz-Park – eine der letzten verbliebenen öffentlichen Grünflächen der Stadt – in ein kommerzielles Areal mit Cafés und Parkplätzen verwandeln sollte. Anfang Mai 2026 demonstrierten Bewohner:innen der Stadtteile Mezzeh, Kfar Souseh und Basateen al-Razi gegen die Anwendung des Dekrets 66. Dieses wurde 2012 verabschiedet und ermöglicht die Modernisierung „informeller oder illegalisierter Wohnanlagen“ durch Immobilienprojekte.
Neben der sinkenden Kaufkraft und den sich verschlechternden Lebensbedingungen leidet ein Großteil der Bevölkerung unter extrem hohen Mieten und Immobilienpreisen. Anstatt bezahlbaren Wohnraum und öffentliche Infrastruktur für die breite Bevölkerung zu schaffen, dienen die geplanten Immobilienprojekte vor allem einer wohlhabenden Elite.
Diese Wohnungspolitik ist Teil einer umfassenderen politökonomischen Strategie. Al-Scharaas Regierung reagiert auf die anhaltende Wirtschaftskrise mit Austeritätspolitik und marktorientierten Entwicklungsmodellen.
Austerität als Antwort auf die wirtschaftliche Krise
Bereits unter dem Assad-Regime wurden Sozialleistungen kontinuierlich abgebaut. Der Anteil der staatlichen Ausgaben für Subventionen und andere Unterstützungsprogramme sank von 15,5 Prozent des Staatshaushalts im Jahr 2010 auf 5,6 Prozent 2024. Gleichzeitig verringerte die anhaltend hohe Inflation die Kaufkraft großer Teile der Bevölkerung immer weiter.
Die Wirtschaftspolitik der neuen syrischen Führung stellt in dieser Hinsicht keinen Bruch dar. Im Gegenteil, nach Ankündigungen von Kürzungen der Staatsausgaben verkündeten die neuen Machthaber, bis zu einem Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst entlassen zu wollen.
Bereits im Dezember 2024 wurde außerdem der Preis für subventioniertes Brot von 400 syrischen Pfund (für 1.500 Gramm) auf 4.000 syrische Pfund (zunächst für 1.200 Gramm, seit Mai 2026 für 1.050 Gramm) erhöht. Das entspricht einer Preissteigerung von rund 1.365 Prozent und verschärfte insbesondere die Ernährungsunsicherheit der ärmsten Bevölkerungsschichten.
Gleichzeitig hob die Regierung die Subventionen für Treibstoffe und Erdölprodukte auf, wodurch die Produktionskosten sowohl in der Landwirtschaft als auch im verarbeitenden Gewerbe erheblich anstiegen. Im Oktober 2025 kündigte die syrische Regierung außerdem eine drastische Erhöhung der Strompreise an, im Januar 2026 stiegen die monatlichen Stromrechnungen dann von zuvor durchschnittlich 0,85 bis 4 US-Dollar auf Beträge zwischen 50 und 169 US-Dollar.
Damit führt die neue Regierung die politökonomische Ausrichtung der vorausgehenden Regierung eher fort als sie zu überwinden. Syrien steht weiterhin vor tiefgreifenden strukturellen Problemen: unter anderem eine instabile Währung, ein geschwächtes Finanzsystem, zerstörte Infrastruktur, geringe Kaufkraft, hohe Produktionskosten und ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.
Dennoch verfolgt die Regierung ein Wirtschaftsmodell, das auf kurzfristige Gewinne und vor allem auf den Dienstleistungssektor abzielt – zulasten der produktiven Bereiche der Wirtschaft und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig fehlt ein wirksamer Schutz der heimischen Produktion gegenüber ausländischer Konkurrenz, insbesondere in Industrie und Landwirtschaft.
Die beschleunigte wirtschaftliche Liberalisierung verschärft diese Entwicklung. Ende Januar 2025 senkte Damaskus die Zölle auf mehr als 260 türkische Produkte, dabei hatte das syrische Handelsdefizit gegenüber der Türkei mit 3,26 Milliarden US-Dollar 2025 bereits einen historischen Höchststand erreicht.
Anhaltende Arbeits- und sozialpolitische Kämpfe
Die wachsende Unzufriedenheit von Arbeiter:innen im öffentlichen, privaten und informellen Sektor mündet seit Beginn des Jahres in eine Reihe von Protesten und Streiks. Im Regierungsbezirk Idlib und im ländlichen Aleppo traten Lehrkräfte Ende Januar 2026 in einen groß angelegten Streik, mehr als 1.700 Schulen blieben geschlossen. Die Protestierenden forderten unbefristete Arbeitsverträge, die Wiedereinstellung entlassener Kolleg:innen sowie Lohnerhöhungen.
Auch Beschäftigte anderer Bereiche gingen auf die Straße – darunter Transport- und Industriearbeiter:innen, Studierende, Rechtsanwält:innen und Bäcker:innen. Ihre Proteste zeigen die zunehmende Unzufriedenheit angesichts des anhaltenden Kaufkraftverlusts und des fortschreitenden Verfalls der öffentlichen Dienstleistungen. Zugleich richten sie sich gegen Korruption, Vetternwirtschaft sowie mangelnde Transparenz und fehlende politische Mitbestimmung.
Mitte Mai kam es zunächst in Raqqa, Deir ez-Zor und Daraa zu erneuten Protesten, die sich später auf andere Regionen ausweiteten. Auslöser war die Entscheidung des syrischen Ministeriums für Wirtschaft und Industrie, einen Ankaufspreis für Weizen festzulegen, der unter den Produktionskosten liegt.
Bleiberecht und ein inklusiver Wiederaufbauprozess
Ohne einen wirtschaftlichen Aufschwung und den Wiederaufbau der zentralen staatlichen Infrastruktur würde eine massenhafte Rückkehr syrischer Geflüchteter die ohnehin prekäre sozioökonomische Lage im Land weiter verschärfen.
Die Rücküberweisungen der syrischen Diaspora bleiben unverzichtbar, um den Zugang zu grundlegenden Gütern und Dienstleistungen zu ermöglichen. Geldüberweisungen fördern jedoch in erster Linie den Konsum und sind keine produktiven Investitionen in die nationale Wirtschaft. Sie sind ein Instrument des Überlebens, aber keine Basis für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.
Anstatt mit der Rückführung syrischer Geflüchteter zu drohen, sollten Deutschland und die Europäische Union den Aufenthalt syrischer Flüchtlinge rechtlich dauerhaft absichern. Mit dieser Stabilität könnten Syrer:innen sich frei zwischen ihrem Aufnahmeland und Syrien bewegen und eine aktivere Rolle beim Wiederaufbau Syriens spielen.
Statt unrealistische massenhafte Rückführungen anzukündigen, sollten deutsche und europäische Entscheidungsträger:innen einen inklusiven Wiederaufbauprozess sowie eine breitere demokratische Beteiligung innerhalb Syriens fördern. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich autoritäre Entwicklungen weiter verfestigen und politische wie wirtschaftliche Ausgrenzung zunimmt. Das würde neue Anreize schaffen, Syrien zu verlassen und anderswo nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen zu suchen.
 
 
 
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    <title>Returning to Syria: Racist narratives meet economic reality</title>
    <created>Wednesday, August 5, 2026 - 09:07</created>
    <location>Syrien</location>
    <name>Domi</name>
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    <body>Syrians returning to their homeland face a dire economic situation. Forced returns could aggravate social conflicts over work and housing.
This article is part of a dossier on migration and freedom of movement between Syria and Germany, published by dis:orient in cooperation with the Rosa Luxemburg Foundation Beirut. All articles are published in German and English.
During the first official visit of Syrian Interim President Ahmed al-Sharaa to Germany at the end of March 2026, German Chancellor Friedrich Merz declared that "about 80% of the Syrians currently living in Germany should return to their homeland" over the next three years — more than 720,000 people.
After his statement was criticised, Merz clarified that he was merely expressing the stated wish of interim President al-Sharaa, and that those "who wish to remain in Germany and are well integrated will be able to remain in Germany." Al-Sharaa rejected Merz's claim, characterising it as "somewhat exaggerated", and insisted that returns would depend on economic reconstruction and improved living conditions. Meanwhile, German Foreign Minister Johann Wadephul endorsed Merz's statement, while pointing out that "what the Chancellor says is, of course, the goal of the federal government."
Setting aside the "clarifications" of the German chancellor, and the practical impossibility of such a plan, these declarations reflect a wider political trend in Europe towards calls for the return and deportation of Syrians. The European Parliament's support of the Return Regulation in March 2026, which expands "the EU's punitive and restrictive detention and deportation plans", demonstrated the ongoing hostility towards migrants and collaboration between conservatives and the far right.
This contributes to the growing atmosphere of racism and Islamophobia in Europe. But the plans of mass returns must not be rejected only for the racism that underpins it. These attempts are directed against the interests of Syrian working classes, both in Germany and in Syria.
Return to Syria?
A large majority of Syrians in Germany and Europe do not want to return to Syria under the current conditions of wartime destruction, political instability, economic crisis and ongoing human rights violations. The Syrian labour market remains disrupted and unemployment is high, particularly among the youth. While there are no clear figures for the rate of unemployment in Syria due to the absence of periodic and regular labour force surveys, estimates for 2025 range from 14% to 69% youth unemployment. In addition, 83% of the Syrian labor market is reportedly informal, meaning workers are not guaranteed access to social security and legal protection, leaving millions vulnerable to exploitation or sudden income loss.
The return of Syrians has further strained the labor market, which does not have the capacity to absorb them. Most of the estimated 1.6 million Syrians who returned since the fall of the Assad regime in December 2024 had taken refuge in neighboring countries, especially Turkey, Lebanon and Jordan. In addition, an estimated 1.9 million internally displaced people (IDPs) returned to their areas of origin, while approximately 5.54 million IDPs remained displaced nationwide.
According to the UNHCR, "these movements continued to place pressure on already overstretched services and infrastructure, particularly in areas hosting displaced populations and high numbers of returnees." According to the UN, only 57% of public hospitals are fully functional, and only around a third of the primary health care centers are operational, while more than a third of the schools are damaged or destroyed. The International Organization for Migration in May 2025 underlined that the "lack of economic opportunities and essential services pose the greatest challenge for Syrians returning to their communities."
Syria's needs are acute: the cost of reconstruction is estimated at $216 billion by the World Bank, equivalent roughly to ten times Syria's current estimated GDP. More than half of Syrians remain displaced, either internally or abroad. Nine out of ten live below the poverty line, nearly 17 million require urgent assistance to survive and more than nine million face acute food insecurity.
Although the Syrian ruling authorities raised public-sector salaries and pensions by 200% in July 2025 and 50% in March 2026, most of the population, whether employed in the public or private sector, still cannot cover their monthly expenses with their salaries. Though the minimum wage was increased to 1,256 million Syrian pounds (SYP) per month (around $94)*, it is far from enough to sustain an average person's livelihood. The average cost of living for a five-person family was almost ten times higher than the minimum wage at the beginning of 2026.
Under these conditions, the mass return of Syrian refugees would increase the pressure on the labour market, which is already characterised by low salaries and a very low level of social protection. In addition, it would cut the flow of remittances to the country.
Remittances for Survival
Large segments of society rely on money transfers from relatives abroad amounting to around $4 billion annually, according to estimates from earlier this year, with Europe and Gulf countries the main sources since 2011. Germany is the main source for remittances from Europe, between €300 and €400 million annually, due to the progressive and ongoing integration of Syrians in the German labor market.
Remittances in Syria evolved in the past decade from a supplemental resource into a primary structural requirement for household survival. These flows have played an increasingly critical role in sustaining livelihoods, often becoming the main source of income for many households as their purchasing powers were reduced as a result of the depreciation of the national currency and rising inflation.
In certain cases, and particularly since the fall of the Assad regime, remittances have been used by families to rebuild their households, and collective initiatives in some areas have emerged, benefiting from diaspora remittances, that rehabilitate specific infrastructure or buildings. These examples remain quite rare, however.
Real Estate Projects in a Housing Crisis
The country continues to suffer a deep and combined housing and infrastructure shortfall. According to the 2025 Humanitarian Needs and Response Plan (HNRP), "one-third of the country's housing stock has been damaged or destroyed, while critical infrastructure, including roads, water networks, electricity and sanitation systems, remains largely non-functional."
In this context, and in the absence of any reconstruction plan, several local communities have protested against real estate projects prioritising profit over housing for people in need. In Homs, residents of the Qarabis neighbourhood pressured the Kuwait-based al-Omran Real Estate Development Company to drop parts of its "Boulevard of Victory" plan, which would have threatened their properties and displaced them from their homes.
Similarly, Damascus residents successfully opposed a project that sought to transform Al-Jahiz Park – one of Damascus's last remaining public green spaces – into a commercial space with cafés and parking facilities. In the beginning of May 2026, a demonstration was organized in Damascus by residents of the Mezzeh, Kfar Souseh and Basateen al-Razi neighborhoods affected by Decree 66, which was enacted in 2012 and allows the "redesigning of unauthorized or illegal housing areas" and their replacement with "modern" real estate projects.
Much of the population, already suffering from declining living conditions and low purchasing power, face very high rents and property prices. Instead of building housing and infrastructure for the broader population, these real estate projects serve an elite class able to afford new and expensive housing and accumulate capital. These housing policies run parallel to a larger political economic strategy, responding to a crisis-ridden economy with austerity measures.
Austerity measures as a response to economic challenges
Under Assad, household stability became increasingly dependent on remittances rather than local economic dynamics, particularly as the regime implemented austerity measures and cut social support for the population. The share of spending on public subsidies and other support programmes diminished significantly in the state's budget after 2011, representing 15.5% in 2010 compared to just 5.6% in 2024. In addition, rising inflation led to falling purchasing power for large sectors of the population.
The new Syrian ruling authorities' economic policies have not challenged this reality — quite the opposite. Following the declared reduction of state spending, the authorities quickly announced plans to dismiss up to one-third of the state workforce, targeting employees allegedly receiving salaries without fulfilling their duties. Dismissals have continued across multiple ministries in 2026. Damascus's austerity measures have had a significant impact on the population's purchasing power.
The price of subsidised bread was raised in December 2024 from 400 SYP (for 1,500 grams) to 4,000 SYP (for 1,200 grams and then 1,050 grams since May 2026), representing an increase of around 1365% and exacerbating food insecurity among the most vulnerable. At the same time, the government suspended subsidies on fuel and oil derivatives, increasing production costs across the agricultural and manufacturing sectors. In October 2025, the Syrian government announced a significant increase in electricity prices. In January 2026, tariffs increased from an average of $0.85-$4 per month to bills ranging from $50 and $169. Some families even saw their bills reach as high as $508. This has also severely affected key productive economic sectors, particularly manufacturing and agriculture.
The political-economic orientation of the new ruling authorities has entrenched the economic dynamics present under the former regime. Syria is facing structural economic challenges, including the instability of the Syrian pound, a weakened financial system, destroyed infrastructure, low purchasing power, high production costs, a dearth of skilled workers and more. Yet, the new government is pushing a commercial model based on short-term profit and focused primarily on the service sector to the detriment of Syria's productive sectors, which is not conducive to development.
Meanwhile, no protection against foreign competion has been provided to national industries, with manufacturing and agriculture particularly hard hit. Accelerated trade liberalisation is threatening production even more. In late January 2025, Damascus reduced customs duties on over 260 Turkish products, and by the end of 2025, Syria's trade deficit with Turkey reached an all-time high of $3.26 billion.
Ongoing labour and socio-economic struggles
Increasing frustration among workers in the public, private and informal sectors with the government's economic policies has led to rising protests and strikes since the beginning of the year. In January 2026, teachers in the Idlib and Aleppo rural governorates engaged in the large-scale "Strike for Dignity" demanding permanent employment, the swift reinstatement of those dismissed and salary increases that match the soaring cost of living. More than 1,700 schools closed in these areas during strike, in response to the authorities' failure to honour commitments regarding salary increases and improved working conditions. Other sectors have also mobilised – including transport workers, industrial workers, students, lawyers and bakery owners – demonstrating deepening grievances across the country over the continued erosion of purchasing power and the deterioration of public services. The protests were also directed against corruption, nepotism and a lack of transparency and participation in decision-making processes.
Multiple protests on various socio-economic issues are still ongoing throughout the country. New demonstrations erupted in mid-May, initially in Raqqa, Deir Ez-Zor and Daraa and spreading to other regions, after the Syrian Ministry of Economy and Industry set a new price for wheat widely considered too low, sparking widespread protests among farmers and peasants as the cost of production exceeds the official price.
Right to Stay and an Inclusive Reconstruction Process
Not only are the conditions for a safe and dignified return to Syria absent; without economic recovery and the reconstruction of critical state infrastructure, a mass return of refugees to Syria would only worsen socio-economic conditions and threaten large sectors of society that depend on remittances to survive.
While transfers of money by the Syrian diaspora remain essential for consumption of basic goods and services, they cannot sustain a recovery of the productive sectors of the economy. They fuel consumption rather than productive investment. In other words, they are a tool for survival, but no substitute for sustainable economic development.
Instead of threatening to return Syrians to Syria, Germany and the EU should consolidate the legal settlement of Syrian refugees. This would enable them to stabilise their living conditions and move freely between their host country and Syria. As a result, they could play a more active role in Syria's reconstruction and participate in its economic, social and political life.
Rather than making unfeasible announcements of mass returns, German and European officials should seek to support an inclusive reconstruction process and wider democratic participation within Syria. Otherwise, current challenges risk deepening authoritarian dynamics and entrenching forms of exclusion, both political and economic. This, in turn, would create new incentives for Syrians to seek better opportunities and living conditions abroad.



* based on the exchange rate in mid June 2026
 
 
 


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